Tagundnachtgleiche

Schneekugelkino

über Geschwisterproblematiken mit viel Tränen und einer romantischen Bildgestaltung, die sich an der Ästhetik der Schneekugel orientiert; aus den Lichteffekten des Schnees schälen sich die mit Spotlight angeleuchteten Hauptfiguren einer Szene heraus.

Statt des Schnees können es Lichtpunkte sein des Straßenverkehrs, rundum verteilte Fotos, Raumgegenstände, die Lichtpunkte fangen oder auch ein Strauch mit Blaubeeren – und nicht jedes Mal wird die Kugel geschüttelt; die Schneekugel selbst kommt in einer Szene vor und gibt indirekt den Hinweis auf diese Sichtweise des Filmes von Lena Knauss (Buch und Regie).

Zwei Geschwisterpaare stehen im Zentrum. Alexander (Thomas Niehaus) ist der jüngere Bruder von Christian (Godehard Giese), wird von diesem bevatert, denn der Vater ist gestorben. Marlene (Sarah Hostettler) ist die ältere Schwester von Paula (Aenne Schwarz); die besorgten Eltern leben noch; Vater Konrad (Walter Kreye) wird im Laufe des Filmes sterben; das führt zu diesem kleinen Dialog „Sie haben ihn wiederbelebt. Ich muss mit ihm ins Krankenhaus“, meinte Paula, worauf Alexander hinzufügt, dass er mitkomme.

Die beiden haben sich kennen- und wie sich vielleicht ein kleines Mädchen eine Liebesentwicklung vorstellt – auch lieben gelernt, weil die junge, quecksilbrige Schwester gestorben ist, nächtens überfahren auf der Landstraße; der Film schreckt nicht davor zurück, als Echo-Foto darauf, Alexander sich die tote Frau am Crash-Wagen vorzustellen; aber es ist die Schwester.

Mit Paula gab es einen One-Night-Stand – wunderschön mit Spot ausgeleuchtete Körper; wie es überhaupt etwas alle zehn Minuten zu einem Liebesakt kommt; in verschiedenen Besetzungen.

Die Einführung des Filmes fesselt storymäßig. Alexander wird als ein Mann mit Geheimnis vorgestellt. Er passt so gar nicht in die Fahrradwerkstatt, in der er Räder repariert. Aber zu ihm passt genau so wenig die Vorstellung, dass er ein ausgebildeter Pianist sei.

Alexander beobachtet von seinem Fenster aus Paula, ohne sie zu kennen. Er greift gern zum Alkohol. Er hat auch den Schlüssel zur benachbarten Kneipe. Er scheint kein Problem zu haben, Frauen ins Bett zu kriegen. Er hat aber ein Problem damit, wenn sie bei ihm schlafen wollen.

Eines Abends verfolgt er die unbekannte Nachbarin, geht ihr nach und findet sie im Variété namens ‚Tagundnachgleiche‘. Alexander findet Paula in einem Zirkuswagen. Die Liebestrance fängt augenblicks an.

An Paulas Grab kommt Alexander in Kontakt mit Marlena. Deren Eltern sind begierig, den unbekannten Freund kennenzulernen. Aber nach dem Tod ist das Geheimnis von Alexander weg. Er lässt alles mit sich machen, wehrt sich nicht gegen die Vereinnahmung, spielt gedrungenermaßen die Liebesentwicklung zu Marlene mit.

Marlene ist Radiomoderatorin, sagt klassische Musiksendungen an, die Alexander hört. Das sind Gemeinsamkeiten, die das Kino von Lena Knauss etwas auswalzt; viel Platz nehmen die Träumereien der glücklichen Liebe zu Paula ein und auch Super-8-Filme aus ihrer Kindheit muss Alexander anschauen; Herz-Schmerz statt Drama.

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