Mitra

Das Gift der Revolution

Der Film von Kaweh Modiri spielt 1981/82 kurz nach der iranischen Revolution in Teheran und zur Zeit des 40sten Jahrestages dieser Revolution, 2019, in Holland.

Die beiden Hauptfiguren sind Haleh (Jasmin Tabatabai) und ihr Bruder Mohsen (Mohsen Namjoo). Sie waren und sind keine Anhänger der islamischen Revolution. Die Tochter Mitra (Dina Zarif) von Haleh ist im Widerstand, landet im berüchtigten Gefängnis Evin, wird dort ermordet.

Dass ihre Mutter die Dinge der Tochter dort abholen könne, ist eine der frühen Infos im Film. Er springt dann ins Heute zu einer Konferenz zum 40. Jahrestag der iranischen Revolution, an der Haleh, Prof. Daneshi, einen Vortrag hält. Sie erinnert daran, dass sie selbst einen Teil ihres Lebens dort verbracht hat, dass sie aber das Geschehen inzwischen aus sicherer Distanz verfolge. Sie wirft dem repressiven Regime vor, dass es die Menschen zwinge, sich zu verstecken und zu lügen, wer sie wirklich seien und was sie wirklich denken, dass das kulturelle Wunden verursache, die zu heilen, es Generationen braucht.

Dieses Gift der Revolution träufelt Kaweh Modiri in kleinen Dosen in seinen Film, der so tut, als ob er sich Zeit lasse, genau die Zeit, die es braucht, um dieses Gift einwirken zu lassen und die den Film mächtig macht. Er arbeitet behutsam mit Rückblenden.

In ihrem Vortrag ist Haleh eine Frau aufgefallen, die zu spät in den Saal gehuscht kam. Sie ist sich sicher, dass es sich um jene Denunziantin handelt, die ihre Tochter Mitra in den Knast gebracht hat.

Haleh macht die Frau ausfindig, verfolgt sie mit ihrem Bruder, der selber im Evin-Gefängnis eingekerkert war. Um sicher zu sein, dass es sich um die bestimmte Person handelt, soll der Bruder versuchen, ihre Stimme zu hören, denn daran würde er sie sicher wiedererkennen.

Die Frau lebt mit ihrem Töchterchen Nilu (Avin Manshadi) in einer anonymen Wohnblocksiedlung. Sehr interessiert am Auffliegen der Frau ist auch die ‚Organisation‘, die sich damit beschäftigt, ausgewanderte oder geflohene ehemalige iranische Mittäter ausfindig zu machen und vor Gericht zu bringen.

Wie in ihrem Vortrag angekündigt, verstellt sich Haleh und macht die Bekanntschaft mit der Frau, erschleicht sich deren Vertrauen; auch Mohsen wird vorgestellt. Es entwickelt sich ein herzliches Verhältnis zu dem Mädchen. Das wird einen Konflikt auslösen: hier ein Glück kaputt machen, bloß um Vergangenes aufzuarbeiten oder zu rächen? Es wird auch die Frage gestellt, was denn die ‚Organisation‘ in den vierzig Jahren erreicht habe? Zu diesem kritischen Blick passt, dass Haleh sich mit anderen nach der Konferenz einen andüdelt, so dass sie nicht mehr Autofahren kann.

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