Große Freiheit

Unglückliche Liebe

Hans Hofmann (Franz Rogowski) ist Stricher und schwul. Deshalb landet er alle zehn Jahre oder auch öfter im Knast, denn die Geschichte von Sebastian Meise, der mit Thomas Reider auch das Drehbuch geschrieben hat, spielt in der Zeit, als Paragraph 175 noch galt und Homosexualität kriminell war, der Film spielt 1968 und springt dann zurück zu 1945 und dann wieder vor zu 1957 und dann auch hin und her.

Der Film spielt immer im selben Knast und immer wenn Hans drin ist, sind auch zwei andere Männer drin, Viktor (Georg Friedrich) und Oskar (Thomas Prenn). Das Liebesverhältnis entsteht zu Oskar. So wie Meise es inszeniert, soll es sich wohl um eine echte, tiefe Liebe handeln. Botschaften werden über markierte Stellen auf Bibelseiten ausgetauscht. Das Verhältnis zu Viktor ist freundschaftlich zu nennen, anfangs zumindest, weil Viktor mit derlei Liebesbeziehungen nichts anfangen zu können glaubt. Er hat Frauensilhouetten an den Wänden und auf den Arm tätowiert.

Hans hat noch eine Nummer als ehemaliger KZ-Häftling auf einen Arm tätowiert und Viktor will ihm das mit einem neuen Tattoo drüber unkenntlich machen; ein freundschaftlicher Akt. Einen Hinweis darauf, wo der Regisseur und Autor der Geschichte her hat, findet sich bei IMDb nicht, auch im Abspann müsste ich es allenfalls übersehen haben.

Der Vorspann des Filmes ist eine der wenigen Aufnahmen außerhalb des Knastes, ein Super-8-Film von einer versteckten Kamera hinter einem blinden Spiegel in einer öffentlichen Toilette, von den Schwulen als Klappe genutzt. Hier macht Hans, was die Freier wollen.

Der Film wird bei der Vernehmung vorgeführt. Hans wird einmal mehr zum Knast verdonnert.

Etwas eitel wirkt in dieser Sequenz, dass der einführende Überwachungsfilm mehrfach von Schwarzbild unterbrochen wird, damit auf Weiß die Namen von Vielen der am Film beteiligten ganz ohne störenden Film gelesen werden können.

Der Regisseur baut sich und seinem Team somit einen eigenen schwarzen Teppich. Überhaupt liebt er das Schwarzbild. Jedes Mal wenn Hans in Isolationshaft in die Dunkelkammer geworfen wird, bleibt es auf der Leinwand sekundenlang dunkel; Hörspiel, bis ein Streichholz oder ein Lichtspalt durch eine geöffnete Klappe in der Tür den Gefangenen oder Teile seines fast nackten Körpers so schön wie von Leonardo skizziert aufleuchten lässt. Verliebt in diese Effekte scheint der Regisseur zu sein. Die Absicht jedenfalls, die Unmenschlichkeit von § 175 anzuprangern, Verständnis für die leidvolle Geschichte der Schwulen bis zur Aufhebung des Paragraphan zu schaffen, ist gut erkennbar und Rogowski spielt dieses Unglück konsequent mit.

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