Das Land meines Vaters – Au Nom de la Terre

Dünne Lebensader

Leicht abfallende Felder mit hochstehendem Weizen umrahmt von bewaldeten Hügeln. Ein Stilleben, eine ruhige Landschaft. Mitten drin quer durch bewegt sich etwas. Es ist eine Ziegenherde, die auf einem nicht zu sehenden Weg quer durch das Weizenfeld getrieben wird. Nur die Rücken der Tiere wippen wie eine dünne Linie durchs Bild. Starke Symbolik für eine Landwirtschaft, der es dreckig geht, mögen die Felder noch so in voller Pracht dastehen.

Dieser Film von Edouard Bergeon, der mit Emmanuel Courcol und Bruno Ulmer auch das Drehbuch geschrieben hat, ist unter ausgezeichneten Spielfilmen, die die Landwirtschaft thematisieren wie Percy oder Milchkrieg in Darlsmynni der persönlichste.

Der Filmemacher widmet den Film seinem Vater. Der heißt hier Pierre Jarjeau (Guillaume Canet). Pierre hat den Hof nicht etwa von seinem Vater (Rufus) geerbt; er musste ihn abkaufen, Schulden machen. Der Vater hat keinen Grund gesehen, sein Lebenswerk, einfach so zu verschenken.

Der Film fängt 1979 an mit diesem Handel. Pierre ist gerade zurück von einem Aufenthalt in der amerikanischen Landwirtschaft; aber die Heimatscholle ist ihm lieber, auch ist er verliebt in Claire (Veerle Baetens).

Pierre will seinen Hof kapitalistisch umkrempeln, von Schaf- auf Ziegen- und Hühnerzucht umstellen.

Der Film macht einen Sprung bis 1996, der Euro ist noch nicht eingeführt, aber europäische Vorschriften nehmen schon einschneidenden Einfluss auf die Landwirtschaft. Inzwischen hat das Paar zwei erwachsene Kinder, der Sohn Thomas (Anthony Bajon) ist an der Landwirtschaftschule und wird wohl den Hof übernehmen. Hier türmen sich die finanziellen Probleme. Mit den Schulden wächst die Anfälligkeit auf geringste Preisschwankungen für die landwirtschaftlichen Produkte und damit das Drama in der Familie mit allen Zutaten, die ein Filmdrama braucht von Feuer über Messer und Gift.

Bergeon hat einen großartigen Cast für seine Protagonistenrollen gefunden. Als eine Referenz an den Amerika-Ausflug seines Vaters schneidet er immer wieder Totalen vom Hof „Les Grands Bois“ in den Film, die er so beleuchtet dass sie ans amerikanische Kino erinnern. Und zwischendrin kam mir die Erinnerung an die schön melanchoische französiche Geschichte ‚La Chèvre de Monsieur Seguin‘.

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