Lebenslinien – Helmfried von Lüttichau – Solo für Staller (BR, Mittwoch, 17. November 2021, 22.00 Uhr)

So viel war mir bekannt, dass Helmfried von Lüttichau, der Protagonist dieser Lebenslinien von Andi Niessner einer der Stars der Fernsehserie Hubert und Staller gewesen sei; Fernsehkonsumenten haben mir bestätigt, dass ihnen die Serie seit dem Ausscheiden von Helmfried von Lüttichau nicht mehr gefalle.

Aber die Öffentlich-Rechtlichen betreiben so ein Projekt weiter; der Ideengarten für andere Formate dürfte nicht allzu üppig sprießen. Das erweckt den Eindruck von dumpfer Betriebsamkeit, wenn eine Serie einfach weitergemacht wird nach dem Ausscheiden eines der prägenden Protagonisten. Das wirkt dumpf. Es geht wohl um Ersparnis geistiger Redaktionsernergie. Die Redakteure sind nicht dafür bezahlt, es sich im Fahrwasser erfolgreicher Serien bequem zu machen, sondern dafür, auf dem Qui Vive zu sein, mit wachen Produkten kreativ die Zeit zu spiegeln und sich neue Publikumsschichten zu erschließen. Das tun sie so definitiv nicht. Dafür werden sie garantiert nicht bezahlt.

Dafür bekommt dieser Protagonist jetzt Lebenslinien, die der Sender selber wohl als Kompliment und Hommage verstehen dürfte – was wiederum nach öder Eigenbauchpinselei riecht und auch nicht unbedingt im Sinne des Grundauftrages sein dürfte.

Das private Glück

Helmfried von Lüttichau steht zwar als Fernsehschauspieler im Rampenlicht der Öffentlichkeit und selbstverständlich werden aus diesem öffentlichen Leben Szenen eingeblendet; was diese Lebenslinien sympathisch macht: dass ihm das private Glück wichtiger zu sein scheint als jeder vergängliche Flimmerkistenruhm.

Zu Beginn wirkt der Film klatschspaltenhaft mit dem Besuch bei den Tanten in Hannover, frühere Wohnhäuser, Familienfotos, der übliche Biomist. Zusehends übernimmt der Protagonist die Regie, indem ihm seine schauspielerischen Stationen Nebenwerk sind neben den menschlichen Beziehungen, speziell diejenige zu seiner ersten Frau, die deutlich älter war als er, die ihn mit ihrem 68er-Geist fasziniert und inspiriert hat.

Die Themen Glück, Liebe, Krankheit und Tod fangen an, den Film zu dominieren. Die Karrierestationen mit dem Durchbruch von Hubert und Staller werden zu einem Apercu in dem Lebenssinn-Kontext, der in einer Beziehung besteht.

Klar, ist schön, wenn eine Schauspielerkarriere erfolgreich verläuft. Aber das scheint von Lüttichau nicht das Zentrale zu sein. Deshalb wohl hat er auch mit der Erfolgsserie aufgehört. Seltenheit: ein Erfolgsmensch, der auch noch glücklich ist. Aber das Thema war ihm eben auch schon vor dem Erfolg wichtig; dabei hat ihm die Auseinandersetzung mit seiner Depression geholfen.

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