Windstill

Der überfahrene Hund Hugo
oder die Sehnsucht nach kaputten menschlichen Verhältnissen

Der überfahrene Hund Hugo steht symbolisch für diesen Film von Nancy Camaldo. Als Symbol dafür, dass in den Verhältnissen, die die Filmemacherin schildert, irgendwie nichts funktioniert. Vielleicht steht ihr Drehbuch auch für eine gewisse Sehnsucht nach kaputten menschlichen Verhältnissen, die sie schildert, so als ob sie apriorisch kaputt wären, als wären sie nicht zum Glück und nicht mit Perspektiven geboren, lässt die Regisseurin ihre Darsteller spielen.

Sie zeichnet unglückliche Menschen, die überfordert sind durch die Verhältnisse, in denen sie leben. Ich brauch halt Hilfe hier, allein ist Scheiß. Ist Rafael eine Frau? Nein, ein Kind. Einer arbeitet in einer Restaurant-Küche. Er ist nicht gut in seiner Arbeit. Seine Frau fährt nachts Taxi. Zuhause gibt es einen Säugling. Der muss versorgt werden.

Der Fim zeigt nun, wie die Erzeuger des Kindes nicht zurechtkommen mit dieser Aufgabe. Zwischendrin fickt er in einem Kellerraum des Restaurants eine Bedienung. Die Mutter seines Kindes haut ab in die Berge, wo sie offenbar ein Haus hat. Dort ist ihre Schwester zu Gange, die mit dem Satz sich charakterisiert, dass sie allein nicht zurecht komme und deshalb diesen blassen Rafael sich übers Internet geangelt hat.

Diese-Allein-Frau geht auf dem Stausee, aus dem ein Kirchturm herausragt, Kite-Surfen. Ihr ist auch der Hund überfahren worden, sie weiß nicht von wem. Den Hund tun die beiden eingewickelt in ein weißes Tuch, das noch blutig ist, das aber auch an einen muslimischen Leichnam erinnert, viel zu wenig tief in der Erde begraben.

Die Filmemacherin hat sich ein schweres Thema vorgenommen: ohne Story, erfundene, überforderte Lebensverhältnisse zu schildern. Kurz vor Ankunft in ihrem Haus auf dem Bergland fickt die Mutter des Säuglings mit einem Typen, der im Bus neben ihr sass, auf einer Mottoparty.

Es sind Figuren, die offenbar nicht so recht wissen, warum sie auf der Welt (oder in diesem Film) sind, außer, dass sie ab und an ficken und irgend einen Käse wieder in den Kühlschrank stellen müssen. Warum die Regisseurin uns davon erzählen will, erschließt sich mir nicht so recht. Dass sie davon erzählen will, scheint der Titel zu bestätigen, Windstill, das heißt Flaute, das heißt, nichts los, und dass nichts los sei, zwischen Menschen, ist nicht der leichteste Topos für ein Script; wie schildere ich über eine Stunde und 54 Minuten Stillstand, Menschen, die keine positiven Lebensenergien haben?

Immerhin, es gibt humane Relikte, die Darsteller begrüßen sich gern und häufig mit Hallo oder Guten Morgen.
Mir tun Säuglinge leid, die in so einem Film ständig rumbugsiert werden.

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