Eine Handvoll Wasser

Jürgen Prochnow schießt auf Flüchtlingsmädchen,

natürlich nicht als der in Amerika erfolgreiche deutsche Schauspieler, sondern in der Rolle des Konrad in diesem Abschiebefilm von Jakob Zapf, der mit Marcus Seibert und Ashu B.A. auch das Drehbuch geschrieben hat.

So weit sind wir schon. Ein alter Eigenbrötler lebt allein in seinem Haus. Und da Prochnow lange im Amerika war, muss man ihm das zugstehen, auch in Deutschland zur Waffe zu greifen, besonders jetzt, da auch so mal ein Tankwart erschossen wird, weil er in seiner Funktion als Hilfssheriff des Corona-Staates einen Kunden bittet, die Maske aufzusetzen.

Und so hat Prochnow schnell die mächtige Pistole in der Hand, wie er zum zweiten Mal nachts Geräusche im Keller hört und überzeugt ist, Rumlungerer würden bei ihm einbrechen. Er geht in den Keller und schießt, bevor er sein Opfer richtig gesehen hat. Es ist Thurba, das Flüchtlingsmädchen aus Yemen und obwohl es scheint, dass er in die Luft geschossen hat, ist sie am linken Oberarm verletzt.

Thurba wiederum, die in jeder Szene makellos geschminkt ist, ist zwei Tage vorher vom Balkon der Mietwohnung ihrer Mutter aus dem ersten oder zweiten Stock gesprungen, da die Polizei die Mutter mit ihren drei kleinen Kindern abholen wollte zur Abschiebung nach Bulgarien.

Wenn jedoch ein Kind fehlt, geht das nicht. So rettet die größere Schwester von zwei kleinen Brüdern die Familie. Es ist ein von Jakob Zap klar also solcher strukturierter Themenfilm. Die Musik unterstüzt die Dramatik des Themas massiv mit Schwere.

Es ist vorhersehbar, dass sich zwischen Konrad und Thurba ein Verhältnis entwickeln wird. Das darf nicht auffliegen. Gefahrenpunkt dabei ist einerseits die klischierte Nachbarin, deren Funktion einzig ist, für sämtliche wachsamen Nachbarn in Deutschland zu stehen und zum anderen die Tochter von Konrad, die gerade Kinder adoptieren will und auch mal unverhofft bei Papa vorbeischaut.

Zum Romantik-Touch des Filmes trägt ein Aquarium im Keller von Prochnow bei mit einem Modellboot und Fischen drin.

Später wird Konrad zu Hochprozentigem greifen, nachdem ihm auch noch Schmuck abhanden gekommen ist. Vorher hatte das Flüchtlingsmädchen die Bemerkung gemacht, die auch dem Zuschauer schon lange auf der Zunge lag, dass bei dem Wohnungsmangel in Deutschland es schon erstaunt, dass ein Mensch allein so viel Raum für sich beansprucht. Selbstverständlich ist es eine Wonne, einem solch gestandenen und von Hollywood geprägten Mimen zuzuschauen, egal, was er gerade spielen muss, und wenn es nur die Auseinandersetzung mit einem Wäschetrockner ist.

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