Tatort – Dreams (ARD, Sonntag, 7. November 2021, 20.15 Uhr)

Die Jugend ist auch nicht besser.

Dieser Tatort von Boris Kunz nach dem Drehbuch von Moritz Binder und Johanna Thalmann unter der Zwangsgebührentreuhänderschaft von Cornelius Conrad begleitet von einem teils schlangenbeschwörerisch-orientalisch angehauchten Orchestersound führt ganz cool ein in die harten Bandagen, die im klassischen Musikbusiness herrschen und vor denen der Nachwuchs ohne mit der Wimper zu zucken und wenn es sein muss blutig, nicht zurückschreckt, während er andererseits wie ein illustrierter VHS-Kurs in moderne Methoden der Traumforschung, mögen sie reell sein oder nicht, einführt. Dabei vertüdelt er sich gelegentlich etwas, tendiert zu Wiederholungen auf Kosten von noch mehr Energie für die Entwicklung einer wirklich stringenten Handlung.

Franziska Aiger-Kuhn hat einen exzellenten Cast vorgeschlagen, der unter der aufmerkenden Regie von Boris Kunz auf jegliche Schauspielermätzchen verzichtet und so ein ungemindertes Rezeptionsvergnügen ermöglicht; grad an den beiden Kommissaren Franz Leitmayer (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec), die man sich ab und an heimlich schon zum Teufel gewünscht hat, ist das abzulesen, sie spielen das sachbezogen statt selbstdarstellerisch und, das sind so kleine Subtilitäten, die die Regie humorvoll einstreut, stellen einmal im Auto fest, dass sie ja schon seit 30 Jahren zusammenarbeiten, wodurch die Schauspieler-Realität zur TV-Geschichtsrealität wird.

Die Violinistin Marina Eeden (Jara Bihler) darf beim Münchner Rundfunkorchester vorspielen. Auch ihre Freundin Lucy Castaneda (Dorothee Neff) wäre interessiert. Da die beiden Konkurrentinnen sind, haben sie sich versprochen, nicht hinzugehen, da nur eine die Stelle bekommen kann.

Marina geht dann trotzdem zum Vorspiel. Wir sehen sie in der zweiten Runde. Da müssen die Musiker noch hinterm Paravent spielen (weitere Hintergrundinfos zu diesen Vorgängen liefert diese Dokumentation).

Mitten im Vorspiel bricht Marina ab. Sie geht zur Polizei und meldet ganz aufgeregt, dass sie ihre Freundin umgebracht habe. Der Film kann in ihre Träume und Visionen gucken und kann den Vorgang bestätigen.

Das Problem bei Marina ist nicht nur, dass sie wegen dem Stress (der sei bei einem Orchestermusiker so hoch wie bei einem Formel-1-Piloten) Tabletten, Ritalin, Benzos, nehme, sondern dass sie auch noch bei einem Start-Up („Träum Dich erfolgreich“) eine Art Traumbehandlung macht als Luzidträumerin. So dass sich ab und an die Frage stellt, besonders für die Kommissare verwirrend, träumt sie oder spricht sie die Wahrheit?

BMW darf sich beim BR für die diskrete Markenwerbung mit der Dienstlimousine der Kommissare bedanken, lange genug kommt das Zeichen vor, definitiv ins Bild gesetzt. Es ist zu verführerisch, dem Fernsehen einen Wagen zur Verfügung zu stellen und als kleines Dankeschön ihn dann in der Sendung platziert zu sehen.

Klever scheint die Zusammenarbeit von Rundfunkorchester und Abteilung Spielfilm einen geschickten Synergieeffekt hervorgerufen zu haben. Einen Einblick ins Turnermilieu gibt’s auch noch.

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