Zuhurs Töchter

Zwei außergewöhnlich schöne Frauen,

wie sie mit ihren schwarzen Haaren, gleichmäßigen Gesichtszügen, sinnlichen Lippen, Sonnenbrillen und im Bikini am Beckenrand eines Schwimmbades vom Whirlpool sich massieren lassen – wie zwei internationale Filmstars schauen sie aus.

Es sind die beiden Protagonistinnen dieses Filme von Laurentia Genske und Robin Humboldt. Der Begriff ‚orientalische Schönheiten‘ ist nicht weither geholt; die attraktiven Frauen sind mit ihren Eltern und Geschwistern vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen. Die Familie ist in einem Flüchtlingsheim bei Stuttgart gelandet. Hier wohnen die Menschen dicht und auf dicht. Menschen können kaum Geheimnisse voreinander haben.

Und wehe, ein Mensch passt nicht ganz ins Weltbild. Denn das Geheimnis der Schönheit der beiden Frauen ist vielleicht nicht mal so sehr der Orient, das Märchenland, das so gar kein Märchenland mehr ist, aus dem sie kamen, sondern mehr, dass die beiden Frauen damals noch Brüder, Buben waren.

Mit dem Heranwachsen ist ihnen allmählich bewusst geworden, dass das mit ihren Gefühlen und den männlichen Körpern nicht so richtig zusammengeht. Auch wenn jeder der beiden Brüder das erst für sich behalten hat. Lange ging es nicht, diese Sehnsüchte nach dem Frausein zu verheimlichen. Das dürfte in diesem Fall sogar hilfreich gewesen sein und vielleicht ein Mittel gegen die Reaktion der Umwelt.

Eine Geschlechtsumwandlung passt jedenfalls nicht ins islamische Weltbild von Vater und Mutter, zu schweigen von den Anfeindungen der anderen Bewohner des Heimes. Das Dokuteam hat die beiden auf ihrem Weg zur phyischen Frau immer wieder behutsam begleitet.

Herausgekommen ist ein ungewöhnlich intimes Proträt der beiden Frauen, ihres schwierigen Prozesses zu sich selbst mit psychologischen Beatungen, OPs, aber auch mit stundenlang vergnügtem Schminken, Kleiderprobieren und sich hübsch machen.

Der Film selbst dürfte zum Abbau von Vorurteilen beigetragen haben; denn die Dokumentaristen haben es geschafft, ganz selbstverständlich auch den Vater und die Mutter vor die Kamera zu bekommen und auch einen zeitweiligen Freund der einen der beiden Protagonistinnen.

Was der Film schafft, vielleicht mehr noch als Trans – I got Life , zu vermitteln, dass diese Geschlechtsumandlung für die Protagonistinnen eine zwingende und wichtige Angelegenheit ist, also nicht irgendwas Exotisches oder eine Allüre oder Spinnerei oder weil die sich für etwas Besonderes halten würden, ist, sondern, dass das für sie ein normalisierender Vorgang ist und dass es keinen Grund für Vorurteile gibt.

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