Cabinet o Wonder – Wunderkammern

Kinder, die verschwinden,

das ist ein Thema dieser charmanten Dokumentation von Susanne Kim. Das ist auch tiefsinnig, Kinder verschwinden immer, in einer Zukunft, aus der es keine Rückkehr gibt, so wird es im Film auch gesagt. Sie verschwinden aber auch in ihren Fantasiewelten, so wird es in diesem Film gezeigt.

Es sind Kinder im unbeschwertesten Alter, sie können schon lesen und schreiben und philosophieren und Dinge anstellen, ja sie können sogar wie in einer animistischen Welt mit Gegenständen reden, die Welt überhaupt verrückt und fantasievoll beleben. Gerne auch als Kompensation zu Dingen, die sie schon erlebt haben und über die sie auch reden können.

Die Protagonisten sind Außenseiter-Kinder aus den verschiedensten Gründen. Sie haben Mobbing erlebt, Diskriminierung, Flucht, Kulturwechsel.

Beim einen hat der Großvater noch in Kamerun mit einem Löwen gekämpft, die andere ist mit der Mutter und mit Geschwistern abenteuerlich aus Persien geflohen. Ein anderer wird ausgegrenzt, weil er leise und zurückhaltend ist mit einem geheimnisvollen Lächeln der faszinierenden Art, egal, welch Geheimnis dahinter steckt. Er erlebt Einsamkeit, kann aber mit einer erfundenen Alexa sprechen.

Meerschweinchen spielen eine durchgehende Rolle als Fantasie, als Graffiti, als echte Tiere, als Darsteller in einer Magiershow.

Die Kinder sind in der Schule zu erleben. Hier wird auch über Verhalten diskutiert, gesellschaftliches Bewusstsein entwickelt. Eine stylt sich für Halloween, um ein paar Gaben zu erbetteln.

Susanne Kim mischt sich, als ob sie selbst ein Kind wäre, unter ihre Darsteller. Die geben sich unbefangen, scheinen die Kamera nicht zu bemerken, selbst wenn ein Gespräch inszeniert wird über Politik und was rechts und links sei. Da sind die Wissensstände recht unterschiedlich.

Und klar, diese Kinder möchten eine bessere Welt. Wobei, wenn sie auf einem Feld, einem Acker, einer Wiese Allotria treiben, wenn sie Sperrmüll gesammelt haben und damit was anstellen, erwecken sie den Eindruck von grenzenloser Freiheit, einer Freiheit, die vermutlich nicht das ganze Leben lang anhalten wird, die verschwinden wird in einer ungewissen Zukunft; auch dazu gibt es einen Song.

Ein Mädchen als Seejungfrau, kunterbuntes Programm von Gesprächen über Streiche mit Stinkbomben, Technikfreakgeburtstagsbescherung, Erkunden einer leeren Fabrik, Einrichten einer Wutbox und der Traum vom Boot, viele Animationen – kinderfröhliche Sprunghaftigkeit.

Es ist als ob die Regisseurin sich auf Kindsgröße geschrumpft hat, um auf Augenhöhe authentisch zu sein.

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