Bloom Up – Hautnah

Kreislauffilm

Dieser Film von Paulo Russo Rouge ist insofern ein Kreislauffilm, als er nicht eine Geschichte von A nach B erzählt, sondern als er dem Leben seiner Protagonisten im ewig gleichen Kreislauf folgt. Es sind dies eine Frau, warmherzig und unverkrampft sinnlich, und ihr Partner, ein glatzköpfiger, tötowierter Mann. Beide sicher auch mit einer Portion Exhibitionismus ausgestattet, sonst würden sie diese nahe Dokumentation nicht zulassen können. Sie betreiben ein Zoogeschäft in Turin.

Das ist der Arbeitsalltag des Paares: Regale mit Tierfutter einräumen, sich über zu viel bestellte Urinbeutel unterhalten, einen Pudel waschen oder auch einkaufen gehen. Ihr Leben nach Feierabend ist ebenfalls durchorganisiert, es besteht darin, Termine zu vereinbaren, Mitswinger für die Termine zu finden, die Vorbereitungen treffen, was anziehen, was mitnehmen, was an Getränken bestellen.

Sie sind Swinger und je mehr sie sich darin üben, desto mehr isolieren sie sich von der übrigen Gesellschaft. Die blonde Protagonistin meint, sie hätten nur noch ein Freundespaar, das nicht von der Szene sei und die darüber auch nicht informiert seien. Das wird sich vielleicht nach dem Film ändern.

So aber haben sie ihr geselliges Leben, das auch mal aus einem Bowlingabend bestehen kann, feinem Essen oder, damit es aufregender wird, verabreden sie sich nachts an einer nicht frequentierten Stelle, steigen aus den Autos aus mit Mänteln und nur Dessous drunter; dann finden die Begegnungen im Scheinwerferlicht statt.

Für das Protagonistenpaar wäre es reizlos, zu swingen, ohne zu küssen.

Ein Termin bei einem Spezialisten lässt die Leute die Erfahrung der Massage durch mehrere Menschen machen; hier ganz ohne Sex.

Die Kamera ist fahrig; ruhig ist sie nur, wenn sie auf die Wohnblockumgebung gerichtet ist. Sonst erweckt sie den Eindruck, als sei ihr das, was sie sieht, peinlich oder nicht recht; als traue sie sich nicht, ruhig hinzuschauen und auch mal an einem Detail hängen zu bleiben.

Der Film versucht, Verständnis für die Swinger zu schaffen, dass sie ganz normal seien, dass sie ein vielfältiges Liebesleben haben. Ein Interview mit dem Protagonistenpaar ist die Klammer des Filmes. Da kommt gegen Schluss doch das Thema auf, wie schwierig Polyamorie sei; und die Liebe zu einem einzigen Menschen, den man für sich haben möchte, wird zum gewichtigen Gegenargument.

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