Daido Moriyama – The Past is Always New, the Future is Always Nostalgic

Die Kamera locker am Handgelenk streift der über 80-jährige Daido Moriyama durch Tokyo. Sein Lebensmotto hatte er bei Kerouac gefunden On the Road. Den Text trägt er mottohaft auf dem T-Shirt.

Auf den amerikanischen Autor hatte ihn sein Fotografenfreund Takuma Nakahira aufmerksam gemacht. Sie waren vor 50 Jahren junge, zornige Männer. kritisch gegen die etablierte Fotografie, experimentell und beeinflusst vom europäischen Kino, Moriyama von Fellini, Nakahira von Godard.

Der Film von Gen Iwama macht immer wieder Station an jener Bucht mit der kleinen Insel, auf die die beiden sich einsten zurückgezogen haben mit Bildbänden, um über Fotografie zu diskutieren. Über Kerouac lässt sich vielleicht eine Erklärung zum Titelzusatz finden, dass die Vergangenheit immer neu sei und die Zukunft immer nostalgisch; die ewig Kerouacsche Reise.

Im Alter vielleicht nur entspannter, so wie Moriyama durch die Viertel von Tokyo streift und die kleine Kamera lässig schnell mit einer Hand zückt und abdrückt. Der Jugendfreund ist schon seit ein paar Jahren tot. Aber er wolle nicht aufhören, meint er, darnach gefragt, ob er denn immer die selben Fotos schießen wolle.

Der Fotograf selber muss unauffällig sein und so ist der Meister. Die Geschichte in diesem Film, die die Lockerheit und Legerheit des Meisters übernimmt ohne je Verbissenheit zu zeigen, erzählt wie ein Verleger und ein Buchdrucker die Idee hatten, sein Erfolgsbuch „Japan – A Photo Theatre“ von vor 50 Jahren, 1968, neu herauszubringen, nicht als Remake und auch nicht kopantiquarisch, sondern frisch, dem Geist von damals verbunden, aber neue Techniken anwendend.

Dieser Prozess fängt an mit dem Fällen von Bäumen, aus denen das Papier hergestellt werden soll. Den Film selbst hat Iwama wie einen Stummfilm gestaltet, indem er immer wieder auf Schwarzbild weiße Zwischentitel einfügt, die selbst wiederum eine ungezwungene Humorlage widerspiegeln, fast balladenhaft. Schön sehen diese Zwischentitel auch aus, in der Mitte die dekorativen japanischen Zeichen und drunter in weißer Schrift die deutsche Übersetzung.

Es gibt die Taktung ausgehend von 300 Tagen bis zur Vernissage des Buches an der Pariser Buchmesse. Bei diesen Ankündigungen schaufeln Drums und Rhythmusgeräte anspornend.

Alles ist Foto. Es ist ein Film für Fotobuch-Fans und -Liebhaber. Nicht nur die Fotos von Moriyama, auch das Filmmaterial ist in jedem Moment Foto, das heißt gesetzt, es stellt ein Stück Realität aus dieser Geschichte in ein Rähmchen. Und wie sorgfältig Moriyama die Bücher signiert – ganze Stapel! Und dass er lieber eine Ausstellung in einer Bar macht mit Reißzwecken und ohne Glacéhandschuhe, statt irgend in einem großen Museum, auch das spricht Bände.

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