Aufschrei der Jugend

Einübung in Massenmobilisierung

Diese Dokumentation von Kathrin Pitterling porträtiert junge Menschen ab 14, die sich seit 2019 für Fridays for Future reingehängt haben, die Demos zu organisieren. Das sollte jung, frisch, womöglich hierarchielos passieren.

Das Footage aus Frontberichterstattung von Demos, aus direkten Interviews, aus Youtubebeiträgen und Nähkästchenberichten von den Vorbereitungen ergibt ein Bild hoch engagierter, intelligenter Jugend, die sich ernsthaft im politischen Erwachsenengeschäft ausprobiert mit einem Superziel, der Rettung des Planeten vorm Klimakollaps. Ein Wissenschaftler meint, es bestünde noch eine Chance von 10 Prozent, dies zu erreichen.

Der engagierte Nachwuchs ist höchst erfolgreich im Organisieren von großen Demos, klar, es gibt Hickhack hinter den Kulissen, es gibt den Versuch, bei der Generalversammlung eines großen Autoherstellers die Botschaft los zu werden, es gibt den Versuch, einen Spitzenpolitiker bei einer Versammlung zu brüskieren; was die Jugend halt so tut, um ihre Hörnchen abzustoßen, wenn sie denken kann, wenn sie kritisch ist und sieht, was so alles schief läuft.

Diese Jugend macht aber dank dem enormen Medienecho auch die zwiespältige Erfahrunge mit den Medien, die ein Gesicht suchen, was sie als Branding für die Bewegung benutzen; wie sie diesem Gesicht gegenüber aufdringlich werden.

Diese Jugend betreibt durchaus auch kritische Selbtreflexion. Andererseits ist es erschreckend, wie die schon genau so glatt daherreden wie gestandene Profitprofis und wie sie bei einer Versammlung einen älteren Herrn, bloß weil er nicht mehr jung ist, aus dem Saal komplimentieren; ein Akt beachtlicher Intoleranz.

Und wie es ist mit der Jugend: hier arbeiten sie umsonst, verdienen kein Geld. Doch die Frage des Broterwerbes lauert im Hintergrund, Studium, später Familiengründung, dann wird das Thema der materiellen Sicherheit virulent.

Den Todesstoß aber dürfte der Bewegung ein Virus versetzt haben. Sie wollten sich zwar nicht unterkriegen lassen, haben eine Plakatmalaktion übers Internet veranstaltet und den Text FIGHT EVERY CRISIS auf der Wiese vor dem Bundestag ausgelegt. Hat nicht mehr so viel Aufsehen erregt. Was der Film zeigt, es muss einem keine Bange vor der Zukunft werden, diese Jugend ist fit, ehrgeizig, sie wird an die Macht streben wie so viele vor ihr. Und auch sie wird das Land durch die immer gerade topakuten Krisen führen.

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