The Last Duel

Drastisch-schauderlich spannendes Votum gegen das Verschweigen von Vergewaltigung.

Brillant inszeniert Ridley Scott eine höfische Geschichte aus dem Spätmittelalter, die Nicole Holofcener, Ben Affleck und Matt Damon zum Drehbuch umgearbeitet haben und deren unübersehbar heutiges Need die Message ist, dass Frauen eine erlittene Vergewaltigung nicht verschweigen, sondern an die Öffentlichkeit bringen sollen, sonst kann es ungemütlich werden.

Andererseits wird es im Spätmittelalter Frankreichs genau so ungemütlich, aber hier mit glücklichem Ende, einigermaßen glücklichem Ende.

Die Geschichte ist klar strukturiert. Sie wird in drei Kapiteln aus je der Perspektive einer von dieser Vergewaltigung betroffenen Personen erzählt. Dann kommt es zur Gerichtsverhandlung, auf die das Duell folgt, bei dem es nur einen Überlebenden geben darf, was Ridley Scott wiederum grandios und atemberaubend inszeniert, so dass der französische König Charles VI (Alex Lawther) sich kindisch amüsieren darf.

Die Hauptfiguren sind Jodie Comer als Marguerite de Carrouges, Matt Damon als ihr Gatte Jean de Carrouges und Adam Driver als Jacques LeGris.

Marguerite ist die aufrechte, ehrliche, treue Ehefrau, der nicht einmal der Gedanke eines Seitensprunges in den Sinn kommen würde; ja sie ist auch sehr tüchtig, auf dem Schloss ihres Mannes, wenn der grad mal wieder auf einem Schlachtfeld in Ritterrüstung hoch zu Pferd sich austobt, während sie die Hauswirtschaft in Ordnung bringt. Ihr Problem ist, dass bei den Geschlechtsaktsbemühungen ihres Mannes ein Kind nicht zustande kommt, was der Sinn der Eheschließung war.

Ihr Mann Jean ist eine typische Matt-Damon-Figur: der vielleicht etwas einfach gestrickte, gradlinige Typ, dumpf zielbewusst und ergeben, fern jeglicher Erotik oder Verführungskunst, dafür umso sensibler, wenn es um Gerechtigkeit geht, wenn ihm ein ihm zustehendes Grundstück nicht zugeteilt wird von seinem Lehensherrn, dem Grafen Pierre d’Alencon (Ben Affleck) oder erst recht, wenn es um eine Vergewaltigung geht. Jean ist der Typ, dem die Gesellschaft sein Beharren auf Recht um die Ohren wirft, sie empfindet das als undiplomatisch; er verdirbt es sich so erst recht mit dem Grafen.

Der LeGris von Adam Driver mit langem schwarzlockigem Haar ist der undurchsichtige Charakter, verwegen, wild, der Verführer-Typ, ein Idol für die Frauen und der eine Untat lieber bis zuletzt leugnet, wie ihm ein gewiefter politischer Strippenzieher empfiehlt; auch da fallen einem spontan lebende Politiker ein; LeGris und Jean waren lange Freunde, bis zur Jeans Heirat mit Marguerite.

Bei einer Abwesenheit von seinem Schloss und während Marguerite ganz allein da ist, was ihr Mann ohnehin nicht wollte, denn er leidet unter extremer Eifersucht und Besitzverlustängsten, kommt es zum Besuch von LeGris, den Marguerite später als Vergewaltigung darstellen wird, was LeGris leugnet. Auch den Vorgang schildert der Film aus drei Perspektiven.

Es ist ein Augenweidenkino mit schnellen Schnitten, tollen Schlachten, verführerischen Interieurs und rasantem Rhythmus. Die computerbearbeiteten Burgen und Städte entwickeln inzwischen einen ganz eigenen, frischen Mittelalter-Leinwandreiz oder Mittelalter-Look..

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