Auf alles, was uns glücklich macht

Es gibt nur eine Liebe im Leben,

auf diese These könnte man, wenn auch nicht als einzige und zwingende, dieses neue Meisterwerk von Gabriele Muccino (Zuhause ist es am schönsten, Väter und Töchter – ein ganzes Leben), der mit Paolo Costella sowohl Idee als auch Drehbuch zu verantworten hat, als Quintessenz zusammenfassen und dass es sich dabei um die erste Liebe handelt und alles andere nur Ersatz ist, Triebbefriedigung, Vorspielen von Familie, Überbrücken der Einsamkeit, Verliebtheit aus Langeweile in erstarrter Beziehung.

Es ist die Chronologie einer Jugendfreundschaft, die mit vier 16-Jährigen 1982 beginnt und bis heute geht. Es sind dies Giulio (Teen: Francesco Centorame; erwachsen: Pierfrancesco Favino), Gemma (Teen: Alma Noce, erwachsen: Micaela Ramazzotti), Paolo (Teen: Andrea Pittorino, erwachsen: Kim Rossi Stuart) und Riccardo (Teen: Matteo de Buono, erwachsen: Claudia Santamaria).

Wie ein Jetstream der Italianità lässt Muccino die heiße Zeit der drängenden Liebesgefühl mit großartigen Jungdarstellern über die Leinwand fegen; erst mit den Jahrzehnten beruhigt es sich, wenn die Herrschaften älter geworden sind, wenn Erfahrung und Reflektion einsetzen.

Das Wunderbare am Drehbuch ist, dass es ohne pausenlose Dialoge und Erklärungen auskommt, wodurch die Fassung mit den deutschen Untertiteln auch für Untertitelverächter attraktiv sein dürfte, denn der Hang zum Dialekt der Darsteller generiert feinstes Ohrenschmalz.

Der Film spielt primär an der sinnlichen, der erotischen Oberfläche ohne jedoch dumm, dümmlich oder einfältig zu sein. Man muss über Lebens- und Liebsentscheidungen nicht jedes Mal, wie gerne im deutschen Kino, eine halbe Seminararbeit drüber schreiben oder die Unfähigkeit zur Beziehung thematisieren.

Dies hier ist ein Menschenfilm und kein Themenfilm. Ja, und er kommt erstaunlich salopp daher, das macht ihn nur humaner. Der Blick von Muccino ist ein Gesamtblick auf die Menschen, auf ihre Sehnsüchte, ihre Entscheidungen, ihre Festlegungen beruflich wie privat.

In der Jugend wollen sie die Welt verändern. An einer Demo lernen sie Riccardo kennen, der angeschossen worden ist. Sie nennen ihn von da an den Supravissuto, der überlebt hat, der auch im Leben mehr Künstler und Träumer denn erfolgreicher Journalist ist.

Die Geschichte spielt im akademisch-intellektuellen Milieu. Giulio will Anwalt werden und arbeitet anfänglich idealistisch als Pflichtanwalt, gerät in den Erfolgsstrudel und muss schauen wie er damit zurechtkommt. Paolo will Lehrer an einer höheren Schule werden, Griechisch, Latein; aber lange Zeit bekommt er nur Aushilfsstellen; das wirkt sich finanziell ungüngstig für eine Familiengründung und aufs Liebesleben aus.

Nur Gemma ist von Anfang an wild auf Liebe aus, so ein verführerisches Kinosexsymbol auf der Leinwand gibt’s nicht alle Tage; ihre erste Liebe gilt Paolo. Und umgekehrt. Eine unglaubliche Initationsliebe mit Kanarienvogel im Hintergrund, der dann vielleicht etwas allzu symbolisch gegen ein Fenster fliegt; es wird später im Film noch eine hochkulturelle Referenz dazu geben.

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