Hinterland

Schön bis zum Manierismus

Eine Kriegsheimkehrergeschichte nach Harold Pinter hat Stefan Rutzowitzky, der mit Robert Buchschwenter auch das Drehbuch geschrieben hat, eindrücklich verfilmt.

Die Macht und Gewalt des Bildes, der malerisch bearbeiteten Bilderwelt, die sich am Futurismus, Expressionismus, an Max Beckmann orientiert, keine rechten Winkel, nichts ist im Senkel, alles ist düster, günstigstenfalls für eine Liebesszene ein Jugendstilfenster vor dunklem Hintergund, diese Bilderwelt ist so konsequent gestylt, so konsequent durchgezogen, dass wie ein gewisses Ungleichgewicht zur exzellent besetzten und ebenso intensiv erzählten Story entsteht.

Die Inszenierung der Schauspieler ist erstklassig, wirkt aber konventionell, wodurch eine manirierte Diskrepanz zwischen bildnerischer und darstellender Kunst entsteht. In den Hochzeiten des epxressionistischen Filmes haben die Schauspieler entsprechend gespielt, gezwungenermaßen wegen dem Fehlen des Tones.

Hier kehrt Ex-Kommissar Peter Perg (Murathan Muslu) mit seinen Mannen aus russischer Gefangenschaft in ein verändertes Wien zurück. Der erste Weltkrieg hat die Monarchie wegrasiert.

In düstern Tönen schildert Rutzowitzky die Armut, den Schwarzhandel, die kaputte Stadt, Elend an allen Ecken und Enden, in denen jeder irgendwie irgendwas zu erhaschen sucht.

Perg kehrt in seine Wohnung zurück. Die Hausmeisterin hat die Möbel abgedeckt, denn Pergs Frau hat sich aufs Land zurückgezogen. Er hat sie Jahre nicht gesehen. Er will zu ihr hinausfahren. Ein Taschendieb macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Er bleibt ohne Geld und Papiere mit den Kriegstraumata allein in Wien zurück.

Wie Rutzowitzky und sein Kreativteam hier die Räume nützen, zeigt ein Alptraum von Perg, der auf der riesigen Tapetenwand hinter dem Ehebett zu sehen ist. Sie nimmt der Regisseur als Projektionsfläche für die Geister des Krieges und der Gefangenschaft; die sind brutal. Kollektivbestrafungen etwa bei Fluchtversuchen; da wurde wegen so etwas jeder Zehnte erschossen.

Perg gerät in Wien gleich in den Kriminalfall eines sadistischen Serien-Mörders hinein, und wird nach dem ersten Mord selber als Täter verdächtigt. Es sind grausame Hinrichtungen, die eher dem Trash-Genre zugeordnet werden müssten.

Durch genaue Beobachtung, denn es gibt immer wieder neue solche Morde, kann Perg den Täter- als auch den Opferkreis eingrenzen. Diese Zuarbeit für seine alten Kollegen erlaubt Perg eine Art Probezeit. Dabei kommt er der Pathologin Dr. Theresa Körner (Liv Lisa Fries) näher. Keine noch so brutale Geschichte, die nicht auch positive menschliche Regungen zulassen würde. Ja, das braucht es, damit vielleicht nicht alles umsonst gewesen sein wird.

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