Träum weiter!

Die Exposition dieser Dokumentation von Valentin Thurn, der mit Sebastian Stobbe auch das Drehbuch verfasst hat, ist klar und macht neugierig.

Thurn hat interessante Protagonisten aufgetan mit spannenden, träumerischen Projekten, die ausreichen würden für je einen eigenen abendfüllenden Film. Idealisten allesamt, Träumer, über Geld wird weniger geredet; Menschen die zu viel Fantaie und Eigenleben haben, um für einen 8 zu 8 Job geeignet zu sein; Aussteiger aus öder Alltagsroutine und in keiner Weise dusselige Weltverbesserer.

Einer baut Überlebensinseln, eine prima Idee und leicht umzusetzen, aus Plastikmüll Flosse, Boote, auch solche, die man im Mittelmeer aussetzen könnte, um die Flüchtlinge nicht untergehen zu lassen; aber das ist noch Traummusik; im Film ist eher eine Art Sommercamp zu sehen, bei dem Idealisten happy sind, an einem See mit Gleichgesinnten ein Projekt durchzuführen.

Eine Frau, die spät ihre Homosexualität entdeckt hat und mit ihrer Frau oder Freundin, so spezifiziert wird das hier nicht erklärt, und mit einem Haufen Mädchen und einem kleinen Jungen, in Portugal in herrlicher Hügellandschaft eine Art Selbstversorgerhof autark und nachhaltig bewirtet. Auch hier ist über die finanzielle Seite nichts zu erfahren.

Der Gründer von Cargolift, der nach der 300-Millionen-Pleite es nicht lassen kann und jetzt im Kleinen tüftelt, aber schon wieder Dutzende Geldgeber an der Hand hat.

Der Österreicher, der für einen nicht näher definierten Guru in Kalifornien sich auf die erste Marsmission ohne Rückkehr fit zu machen versucht. Grad braucht er aber einen Geldjob, um die Wartezeit zu überbrücken. Er tritt in Schulen auf, hält Vorträge, vermutlich nicht unentgeltlich.

Dann ist da noch der in Asien geborene Berliner, der ein Geschäft mit Tiny Houses aufzieht.

Der Dokumentarist verfällt nicht ganz in die gängige Verzopfmethode. Er hat den Film in Kapitel gegliedert, die je durch ein kleines Sandspiel mit Frauenhänden und einer Frauenstimme eingeführt werden; das Thematische bleibt dabei etwas diffus, wie der Sand auf dem Bild.

Es ist ein Film, anfänglich mehr wie ein sachlicher Prospekt für die einzelnen Projekte. Die Initiatoren reden dauernd voice-over, in manchen Szenen gibt es dazu O-Ton Infos.

Allerdings scheint der Filmemacher im Laufe des Drehs sein Thema aus den Augen verloren zu haben. Der Knackpunkt kommt mit Varanasi, wo der Inselbauer ein Projekt hat. Hier lässt sich der Filmer vom touristisch Allzubekannten ablenken, Leichenverbrennung über Leichenverbrennung. Zum diffusen Eindruck trägt auch ein Ausflug in die Atacama-Wüste in Chile bei, wo der Marsmensch trainiert und es mehr um die fantastischen Wüstenbilder zu gehen schien. Diese lenken davon ab, was denn jetzt genau mit dem Traum geworden ist. Auch die Waldbrandgeschichte aus Portugal wird kaum genutzt, um den Härteabgleich mit den Träumen vorzunehmen. Das fällt umso schmerzlicher auf, als die Exposition des Filmes so klar war. Aber dem Macher scheint es an Entschiedenheit und Hartnäckigkeit zu fehlen, diesen Träumen auch auf den Grund zu gehen; ihre Belastbarkeit zu testen. Es gibt zwar Andeutungen, aber die Messlatte bleibt vage.

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