Le Prince

Ein Blick nach Frankurt

in die Ausländerszene der Finanzcity und in deren Kunstszene.

Die verdammte Einsamkeit heutiger Großstadtsingles und deren Liebessehnsucht bringt die beiden konfliktreich zusammen. Die großartige Ursula Strauss spielt Monika, die Kunstkuratorin. Sie arbeitet in der Kunsthalle in Frankfurt. Ihr Chef ist Peter (Alex Brendemühl) und der will sich verändern. Die Position wird frei.

Das ist der primäre Handlungsstrang, der Karrierestrang der Hauptfigur Monika. Der besteht im Wesentlichen aus der Vorbereitung zur Vorstellung für den Direktionsjob, Empfänge, Ausstellungsbesuche, Vorbereitung einer Ausstellung mit dem Künstler Douglas (Douglas Gordon).

Ihre Einsamkeit, ihr selbstgewähltes Singletum macht Monika nicht unempfänglich für den privaten Handlungsstrang neben ihrer Karriere. Der beginnt mit der zufälligen Begegnung mit Josef (Passi) aus dem Kongo. Mit ihm zieht sie durch die Kneipen Frankfurts, in denen vor allem Afrikaner verkehren.

Lisa Bierwirth, die mit Hannes Held auch das Dehbuch geschrieben hat, verfolgt nun mit hohem, nahem Interesse die sich daraus ergebenden Verstrickungen und Verwicklungen. Und natürlich landen Monika und Josef im Bett. Das ist eine der Sehnsüchte, die gerade für intellektuelle und gebildete Frauen einen außerordentlich Reiz haben muss, eine Intensität, die sie möglicherweise bei Deutschen nicht leicht finden.

Hinzu kommt, dass, aber es bleibt diffus, möglicherweise ein Helferyndrom, einem in gewissen Dingen stärkeren Mann auch einen zu sehen, der unterlegen ist, der Probleme mit der Ausländerbehörde hat, der eine vertrackte Vergangenheit hat, der selbstsicher als Diamantenhändler auftritt, der aber auch dubios-schleimige Freunde wie Ambara (Nsumbo Tango Samuel) hat.

Und wer kennt sich schon mit den Gegebenheiten und Sitten im Kongo aus; kann man das alles glauben, was erzählt wird und wie genau ist die Methode des „se débrouiller“ einzuordnen, sich durchzuwurschteln, weil man ja nicht verhungern will.

Es sind alles andere als kongruente und harmonische Welten, die hier aufeinandertreffen und vieles liegt im Dunklen. Culture Clash auch bei den Intellektuellen. Spannend und wohl trefflich inszeniert ist die Begegnung mit den Freunden und Bekannten von Monika. Es liegt Fremdes und Fremdelndes, allenfalls demonstrierte Toleranz zwischen den verschiedenen Welten.

Der Film von Lisa Bierwirth erinnert an den frühen Fassinder, an ‚Angst essen Seele auf‘, sofern es um eine interkontinentale Liebe geht, hier mit anderen Voraussetzungen, aber auch die ruhige Szenenauflösung, die kameratechnische Konzentration auf die jeweiligen Gesprächspartner, dieses schier Spartanische in der Konzentration auf die zwischenmenschlichen Vorgänge und deren präzise und wunderbare Inszenierung, in der selbst ein Hanns Zischler ganz unaufgeregt glaubwürdig rüberkommt.

Über Diamanten sollte sich die Kulturkuratorin besser erst informieren, bevor sie diese mit dem Hammer zertrümmert. Diesem Film hingegen dürfte das kaum oder hoffentlich nicht passieren.

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