James Bond – Keine Zeit zu sterben

Die ist heimtückisch,

die neue biogenetische Waffe, vor der James Bond (Daniel Craig) diesmal die Welt schützen soll. Demonstriert wird sie bei einer Gala in Kuba. Wobei klar wird, dass James Bond im eleganten Anzug oder Smoking immer noch am attraktivsten ist. Ihm passiert nichts bei den Giftfontänen, die von oben auf ausgewählte Gäste des Anlasses herunterbrausen. Die Leute, die die Biogenetik der Waffe ins Visier nimmt, die sehen schnell aus wie Zombies aus einem drittklassigen B-Movie und gehen zugrunde, während James heil bleibt.

Die Flexibilität der Programmierung der Waffen ist irre. Sie kann Leute mit bestimmten genetischem Merkmal treffen, ganze Bevölkerungsgruppen, Individuen oder die Mitglieder einer Familie, eines Clans. Der Fantasie, der Ausrottungsfantasie, sind keine Grenzen gesetzt und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Menschheit sich selbst mit solchen Waffen ein Ende setzt. Denn nicht immer ist ein rettender Bond – oder eine rettende 00, wie James düpiert zur Kenntnis nehmen muss mit Nomi (Lashana Lynch), parat. Just sie soll Bond im Südseeparadies aufspüren; auch das ergibt massive Auto-Verfolgungsactions.

Die erste kleine Vorgeschichte ist ganz und gar nicht bondisch. Die nimmt Anleihen beim dreckigen Genre des Clownsmörders und versetzt sogar ein Kind in einer entfernten Berggegend nicht nur in Angst und Schrecken, sondern lässt es nach dem Einbrechen ins Eis beinah unter der gleich wieder zugefrorenen Eisdecke qualvoll sterben. Schnitt.

Die zweite unheilige Vorgeschichte beginnt bondflirtisch mit Madeleine Swann (Léa Seydoux). Es ist auf dem heiligen Boden von Matera, auf dem Pasolini seine Passionsgeschichte gefilmt hat. Auch hier wird mit Auto-Action durch die engen Gassen massiv aufgedreht.

Verfolgungsaction wird es noch an verschiedenen Locations geben, auch Schießereien und immer wieder wird Bond von Regisseur Cary Joji Fukunaga und seinem Heer von Autoren in absolut aussichtslose Situationen hineinmanövriert, aus denen es scheinbar kein Entrinnen gibt.

Aber, dem Geheimagenten ihrer Majestät der britischen Königin kann letztlich nichts passieren, denn zum Sterben hat er, wie der Titel sagt, keine Zeit. Wenn das nicht mal eine Täuschung ist.

Irgendwann aber bei der xsten Verfolgungsaction und bei der xsten aussichtlosen Situation huschen Bilder von frühen Bonds durch den Kopf. Die Erinnerung erzählt von unglaublichem Storydrive und auch Storyspaß, aber die Zeiten sind nicht mehr so, dieser Drive wird heute umgewandelt in einen Tüftler-Drive, der versucht immer neue gefährliche Situationen zu erfinden bis hin zu vergifteten Gärten und riesigen unterirdischen, atombunkerhaften Laboren, die eher nicht auf beschwingte Art zu inszenieren sind.

Ob das Storyelement mit dem kleinen Kind noch irgendwie ins Urbondbild des sorglosen Geheimagenten passt, darf getrost gefragt werden. Sowieso wird dadurch, mit dem zweiten kleinen Kind im Film, aus dem Bond-Girl eine Bond-Frau im Sinne einer Mutter eines Kindes von Bond. So was ist ihm bisher auch noch nicht passiert.

Das ändert nichts daran, dass der Cast zu faszinieren weiß; während der Oberbösewicht Lyutsifer Safin (Rami Malek), der am Joker orientiert scheint, mit der Zeit , mit dem ewig gleich gelangweilten Gesichtsausdruck etwas ermüdet, was dem Gefühl einer gewissen Anstrengung des Schauens nicht unbedingt widerspricht.

Während das Schauen früherer James-Bond-Fime eher an die Fahrt in einem rasanten Fahrgeschäft auf dem Rummel erinnert, sieht sich der Zuschauer heute eher wie ein Kumpel unter Tage in tiefen Schichten bei harter Maulwurfsarbeit.

Wie Maschinengewehrsalven oder Lärm von Haubitzenbatterien setzt Hans Zimmer actionsunterlegend militärrhythmische Musik ein zur Erweckung des Eindrucks von Dauermächtigkeit, während fürs Auge die Grafiken auf den Bildschirmen von Q (Ben Wishaw) immer wieder reizvoll sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.