Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee

Leseschwäche

ist etwas, weshalb sich ein Mensch nicht zurückgesetzt fühlen soll; aber sie kann bei einer Verbrecherjagd ein zusätzliches Hindernis sein.

Gerade die Szene, die das vorführt, zeigt, dass Christian Theede, der Regisseur, mehr das große Ganze im Auge hat, als das Detail; Leseschwäche bleibt so mehr eine These im funktionierenden Plot von Dirk Ahner. Wobei auch hier, bei den Details die Augen oder die Ohren besser zugedrückt werden sollten, wenn einmal mehr die Frage, die auf deutsche Drehbuchschwäche hindeutet, gestellt wird, was denn hier los sei oder was denn hier passiere.

Aber auch so ein Drehbuch muss, wenn es sich rechnen soll, in einer bestimmten Zeit geschrieben sein. Und dann doch lieber so, dass die Storyline fesselt. Die Mutter von Tarun ist Meeresbiologin (Meriam Abbas). Sie ist sommers in Nordirland zugange. Ihr werden wichtige Forschungsunterlagen gestohlen. Ihr Sohn Tarun, der mit Alice die Mutter begleitet, versucht, den Dieb zu verfolgen.

Die Jagd und Suche nach dem Dieb verlegt die Handlung des Filmes erst nach Hamburg, dann nach Mecklenburg-Vorpommern in ein kinderfreundlich per Computer nachgefärbtes, idyllisches Hafenstädtchen.

Dabei erweitert sich die Jugenddetektivegruppe, die gar nicht zu oft von ihrer Pfefferkorn-Identität spricht, zusehends. Die Jungs und Mädels überzeugen durch souveränem Umgang mit dem Knacken von Computern und dem Überspielen von Dateien, dem Aufspüren der Verstecke von Drohmails.

Der Empfang im Fischerdorf ist kühl. Die Mutter von Tarun wird entführt und was genau mit ihrer Mitarbeiterin Patrizia (Sonja Gerhardt) ist, bleibt zwielichtig. Den Hauptgegenspieler, der ein dreckiger Umweltverschmutzer und illegaler Müllentsorger ist, spielt der Subventionsstar Heino Ferch, vielleicht nicht ganz so souverän, wie man sich das wünschte, dafür zu böse und manchmal verbohrt er seine Hände wie hilflos in den Hosentaschen und Rhethorik sollte er auch noch etwas üben, vor allem die Gestik. Macht aber nichts, der Faden des Thrillers ist stärker.

Es stört auch nicht besonders, wenn generell das Regiehändchen von Christian Theede nicht unbedingt wie der grüne Daumen eines Gärtners wirkt; es geht um Umweltverschmutzung und um die Suche nach einer Lösung gegen den Plastikmüll in den Meeren. Insofern stören Hackeligkeiten bei der Besetzung nicht, auch Max Riemelt bleibt irgendwie konturlos, seine Figur wird am Ende mehr theoretisch begründet; vielleicht auch eine Schwäche des Buches.

Aber was soll’s, die Macher gehen den Film mit enormem Kino-, Drohnen-, überhaupt Kamera – und Themenspaß an; da verschenken sie nichts, wie man so sagt, ob an den Steilklippen Irlands, im ozeanographischen Institut in Hamburg oder in den schmeichelnden Dünen Mecklenburg-Vorpommerns; nicht weniger in wenig appetitlichen Müllverarbeitungsanlagen oder im Inneren eines rostigen Seelenverkäufers.

Und wenn man am Ende eines Filmes denkt, ach, eigentlich freu ich mich auf eine neue Folge, so ist das doch einiges. Die Musik lässt sich von den Höhenflügen der Drohnen anstecken, bereitet die weichen Landungen vor. Und, sympathisch, dass bei den Credits die Kinder nur mit Vornamen genannt werden – aber vielleicht ist das inzwischen eine Schutzvorschrift.

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