Baghdad in my Shadow

Posttraumatische Belastungsstörungen

sind die Folgen traumatischer Erlebnisse von Krieg, Folter, Mord, Naturkatastrophen, sexuellem Missbrauch, auch dem Mitansehen von solchen Vorgängen ohne eingreifen oder helfen zu können, Gefühlen von Ohnmacht, Ausgeliefertheit, womöglich auch, dass man andere ans Messer liefert, um die eigene Haut zu retten.

Unsere Welt ist voll von Menschen mit solchen Erlebnissen und solchen Belastungsstörungen, nicht nur Menschen, die Gewalt oder Alkoholismus zu Hause erleben, furchtbare Unfälle, besonders Flüchtlinge haben eine breite Palette von Erlebnissen hinter sich, die solche Störungen auslösen können in Form von Flashbacks und ständig auftauchenden Erinnerungsfragmenten.

Der Film von Samir wirkt selber wie das Abbild einer solchen posttraumatischen Störung irakischer Flüchtlinge.

Der Film spielt in London. Die City ist voll von Exilirakern, die durch Scheußlicheiten im Irak noch miteinander verbunden sind. London ist voll von Fragmenten, Flashbacks, Erinnerungen daran, von Leuten mit neuen Identitäten. Ein ehrenvoller Dichter ist hier, Taufiq (Haitham Ali)), der den Islam in- und auswendig kennt – und ablehnt, aus guten Gründen; aber der selber seine Geschichte mit anderen Protagonisten hat. Er arbeitet als Wärter in einem ägyptischen Museum, der Kamera entgehen dabei grausame Wandreliefs nicht.

Es gibt das Kurden-Café ‚Abu Nawas‘. Da wird zur Weihnachtszeit ein Christbaum aufgestellt. Hier arbeitet die Christin Amal (Zahraa Ghandour) und genießt die Lüste eines christlichen Lebens. Hier führt Koch Zeki (Kae Bahar) das Szepter. Und hier geht auch Muhannad (Waseem Abbas) ein und aus, der eine offen schwule Beziehung zu einem Engländer führt.

Es gibt den braven Islamstudenten Nasseer (Shervin Alenabi), der bald in furchtbare Loyalitätskonflikte zwischen einem reaktionär-militanten Islam nach Scharia und Alles-Halal bis auf die blonden Muschis und seiner Familie mit dem Christbaum gerät.

Zwischendrin flackern Verhörszenen bei der britischen Polizei auf. Sie löchert den Dichter auf einen Mord und auf seine Vergangenheit hin. Es tauchen scheußliche Figuren aus dem Geheimdienstumfeld von Saddam Hussein auf. Es gibt einen heuchlerisch verlogenen Imam und einen dubiosen irakischen Kulturattaché.

Blut spritzt nicht nur in der Vergangenheit.

Die Menschen mögen aus dem Irak geflohen sein, aber die Vergangenheit werden sie nicht los. Da alles so furchtbar und belastend ist, wird sich Samir gesagt haben, muss er den Menschen am Ende doch noch die Möglichkeit zum Träumen bieten, zumindest das Kino erlaubt es, sich ein friedliches, prosperierendes Baghdad vorzustellen, denn nicht mit Messern, Elektroschocks oder Knüppeln wird die Zukunft gestaltet, dafür sind zuerst die Träume zuständig.

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