Trans – I got Life

Dann die Hoden weg,

sie tieffrieren, damit sie allenfalls später für den operierten Menschen wieder für die Fortpflanzung genutzt werden können. So meint es Dr. Schaff, ein neugieriger, forschender Chirurg aus München, der Menschen, die sich in ihrer Geschlechtlichkeit nicht aufgehoben fühlen, operativ zur Transition ins andere Geschlecht verhilft.

Davon wird hier einiges zu sehen sein, manchmal gibt der Chirurg sogar während der OP Kommentare ans Dokuteam Imogen Kimmel und Doris Metz.

Das ist genau das, was ich auf jeden Fall immer auch gerne gewusst hätte bei Filmen, die dieses Thema beschäftigt. Ein Themenfilm ist es auf jeden Fall. Nebst der Bühne, die er dem Arzt verschafft, sind die Protagonisten Menschen, die sich im falschen Geschlecht fühlen und alles daran setzen, das zu ändern.

Bei den einen fängt es früher an, ganz früh schon, bei anderen erst spät. Es treibt sie um, sie sind unglücklich, sie erleben Diskriminierung, sie machen schmerzvolle Operationen durch. Einiges kann schiefgehen dabei; das gibt auch der Chirurg zu; aber damit ist zu rechnen, wenn über die Grenzen des Bisherigen hinausgegangen wird und bis jetzt sind diese OPs noch keinesfalls so, dass nachher alles perfekt wäre.

Es ist ein Film der Talking Heads. Sie reden über ihre Befindlichkeiten; insofern eher ein Film fürs TV und generell für Leute, die sich für das Thema interessieren. Insofern scheint mir weniger, dass er geeignet ist, Leute, die Schwierigkeiten mit dem Thema haben, zu überzeugen. Das schien mir beim Film Ich bin Anastasia deutlich gelungener.

Vielleicht ist es das Problem von solchen Themenfilmen, dass sie Themenfilme sind, dass also ständig darüber gesprochen werden muss. Die Protagonisten haben alle Diskriminierung erlebt. Es wäre auch mal interessant, in den Kopf der Diskriminierer zu blicken, warum die so festgefahrene Bilder der Geschlechterrollen haben.

Dazu ist die Bemerkung im Film interessant, dass der Geschlechterunterschied bei den Menschen minim ist, sich in der Größenördnung eines Hunderstels an Abweichung bewegt. Das wäre mal spannend zu sehen, warum der berühmte „kleine“ Unterschied in der Lebensrealität so hoch bewertet, so wichtig genommen wird und oft fast fanatisch festgefahren ist.

Etwas merkwürdig mutet das Gendern in den Untertiteln an, wenn im Englischen es genderneutral physiotherapist heißt und auf Deutsch dann am Wortende ein Doppelpunkt und ‚innen“ steht, das erschwert auf jeden Fall das Lesen der Untertitel und erhellt inhaltlich gar nichts – wo doch gerade der Film darauf aufmerksam machen will, dass der kleine Unterschied nicht überbewertet werden soll, und schon gar kein Anlass zum Mobbing oder Diskriminieren bieten soll. Dass sie doch gerade unabhängig des Geschlechtes ernst genommen werden wollen. Und just da wird der Geschlechterunterschied in der Sprache noch deutlich herausgehoben; das Gendern bläht den kleinen Unterschied sogar noch auf.

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