Helden der Wahrscheinlichkeit

In der Biederruhe liegt die Kraft zum Exzess

Dieser Film von Anders Thomas gewinnt einen spätestens bei seiner ersten großen Szene.

Die beiden Wissenschaftler Otto (Nikolaj Lie Kaas) und Lennart (Lars Brygmann), Zahlen und Wahrscheinlichkeit, präsentieren einem Gremien einen von ihnen ausgetüftelten Algorithmus – der genau herausfinden kann, warum manche Leute ein billiges und warum andere ein teures Auto kaufen. Es ist Parodie erster Klasse, was für ein Brimborium (Pseudo)Wissenschaft um Erhebungen macht – und letztlich nur Banalergebnisse liefert, die jeder denkende Mensch selbst im Kopf ableiten kann – oder Makroprodukte für Klumpfüße. Dass Menschen mit kleinem Einkommen kleine Autos, solche mit mittlerem Einkommen mittlere und solche mit hohem Einkomme teure Autos kaufen.

Aber die hochstudierten Mathematiker und Wahrscheinlichkeitstheoretiker haben für diese Erkenntnis einen Algorithmus entwickelt, der Akten von Jahrzehnten durchforscht hat. Zur Exposition dieses extrem skurrilen Skandinavien-Streifens, Partition Dänemark diesmal, gehört, dass Markus (Mads Mikkelsen) aus einem Kriegseinsatz nach Hause zurückkehrt. Er wird das Kriegstrauma-Element in die später ausartende Handlung bringen.

Weiter gehört zur Exposition eine Fahrraddiebgeschichte und in diesem Zusammenhang eine U-Bahn-Fahrt der Frau von Markus mit Tochter Mathilde (Andrea Heick-Gadenberg). Hier kommt es zu einem verhängnisvollen Zusammenstoß, der den Tod der Mutter zur Folge hat; eine zusätzliche Belastung zum Kriegstrauma für den Vater.

Einer unserer Mathamathik-Helden war auch in der U-Bahn und hat überlebt. Inzwischen sind er und sein Kollege arbeitslos. Sie nutzen ihre geistigen Kapazitäten für die irrsten Theorien, warum der Unfall kein Zufall gewesen sei, sondern eine besonders gut getarnte Tat der Gang „Riders of Justice“ und sie entscheiden sich, die Tat aufzudecken und nicht ungesühnt zu lassen.

Dazu benötigen sie die Hilfe des Hackergenies Emmenthaler (Nicolas Bro), der runder ist als ein Augapfel es sich vorstellen kann.

Anders Thomas Jensen lässt alle diese an sich schon berührenden und skurrilen, einerseits brav-bürgerlichen, andererseits offenbar mit versteckten weniger bürgerlichen Eigenschaften ausgestatteten Figuren in diesen Wahrscheinlichkeits- und Unwahrscheinlichkeitszusammenhängen aufeinander los und eröffnet uns einzigartige Einblicke vielleicht nicht nur in die skandinavische, sondern überhaupt in die Seele des Menschen im Rahmen der großartigen, nordischen Kinoerzähl- und Fabulierkultur.

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