Garagenvolk

Kreativ-Quartier

Die einzige Kneipe, die in diesem Dokumentarfilm von Natalija Yefimkina vorkommt, heißt „Hinter dem Polarkreis“, ein grelle Neoninschrift in der Gegend von Polarlicht, ewiger Nacht oder ewigen Tages.

Die Probleme der Menschen aber sind die gleichen wie überall auf der Welt, bis auf ein paar lokal bedingte Dinge, die hier möglicherweise zu vermehrtem Wodka-Genuss verführen, die unwirtliche Lage oder aber auch die filmogene, karge Berggegend, die Häuser von Murmansk, die wie Schafe sich aneinanderdrängen und etwas erhöht darüber ein Schutthügel, eine Industriebrache, ein Areal mit jeder Menge Garagen, deren Zweck längst nicht mehr das Unterstellen von Autos ist.

Hier haben sich Kreative, wie wir modern westlich sagen würden, eingenistet. Dem einen sein Schrebergarten ist dem anderen seine Garage. Die Garagen dürften nicht anders sein als jene, in denen unsere ganze IT-Welt erfunden worden ist: Orte für Tüftler, Bastler, Künstler, Musiker, Schrottverwerter.

Das Motto eines der Garagenmenschen: „Was du auf Erden erschaffst, ist dein himmlisches Leben“. Der das sagt ist Viktor und bei Ende der Dreharbeiten liegt er auf dem Friedhof. Über Jahrzehnte lange hat er in seiner Garage gegraben, eine Aktivität, die in einer Bergbaugegend nicht unbedingt exotisch wirkt. Aber er hat allein gegraben, mit Schaufel und Eimer und nur mit einer einzigen, schwachen Glühlampe. Er hat Etagen in die Tiefe gegraben, immer noch einen geheimen Raum drunter und noch einen. Profiteur ist der Enkel, der für seine Kumpel eine lauschige Bude eingerichtet hat.

Ein eher komisches Duo sind Vitalik und Ilja, letzterer eher ein Showman, dem die Dokukamera Push gibt, der Skier sammelt und mit Vitalik, der ihm Ende des Filmes abhanden gekommen ist, als kuriose Aktion einen Schrottbus zur Garage schleppt, ausweidet und zersägt.

Pavel schnitzt Ikonen, lässt sich eine vom Popen abschwatzen für das Bergbaumuseum.

Es gibt eine Band, auch die ist Ende des Filmes aufgelöst. Die Menschen zieht es weg von hier in angenehmere Gegenden. Roman züchtet Wachteln. Eine Garage ist ein Fitness-Raum. Die Menschen mit den Garagen geben dem Leben einen Sinn, ein Ziel, sie bewahren sich davor, in Sinnlosigkeit und Alkohol abzusaufen. Auch das ist eine ziemlich allgemeingültige Weisheit, die dieser Film mit ganz speziellen Bildern und unterhaltsam illustriert.

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