Dune

mobility auf Sand

oder der Film zu IAA in München, aber hier geht es um Mobilität auf Sand. Es gibt Treibsand, der kann einen verschlingen, das ergibt grandiose Kinowirbelbilder, die aussehen, wie fleischfressende Pflanzen, wenn sich ihr Schlund schließt, oder es gibt Trommelsand, auf dem kann man rennen; das ist so reizvoll wie das Rennen auf einer Brücke, die hinter einem einstürzt, beliebtes und erfolgreiches Kinobild; hier türmt sich hinter den zwei flüchtenden Protagonisten Paul (Timothée Chalamet) und seiner Mutter Jessica (Rebecca Ferguson) der Sand als unheilverheißendes Gewölbe auf und bewegt sich bedrohlich näher.

Zum Thema mobility gibt es das Stichwort Spice. Das ist für die Einheimischen Fremen von Arrakis, die es anbauen, eine Droge aus psychoaktiver Chemie, für Kolonialmächte ein Antriebselement für Raumfahrzeuge; entfernt vielleicht vergleichbar mit der Seltenheit Seltener Erden, hinter der die Industriestaaten her sind.

Es gibt schlechte Kolonialmächte, das sind die Harkonnen. Diese werden im Film von Denis Villeneuve, der mit John Spaihts auch das Drehbuch geschrieben hat, von den Atreiden abgelöst und versprechen den Indigenen einen fairen Abbau.

Aber auch gute Kolonialisten bekommen ihre bösen Probleme, denn vermutlich kann es gute Kolonialisten gar nicht geben; das erinnert einen an die Bundeswehr in Afghanistan oder jetzt in Mali. Das sind so Vergleiche, die mir beim Anschauen des Filmes gekommen sind; Heutebezüge zu Beutezügen.

Faszinierend sind auch die Thopter. Die sind eine Art Helikopter, die wie mit Insektenflügeln angetrieben werden. Eine schöner SciFi-Effekt.

Warum mich der Film trotz großem Aufwand an Bühnenbild, Computeranimation, renommierten Darstellern und fallweise schwerer Filmmusik kalt gelassen hat? Es ist zum einen das Theater. Das ist ein Pomptheater, ein Staatstheater, ein Machttheater mit viel Stehparty, Aufzügen, von Villeneuve sorgsam inszeniert. Er setzt auf die Macht der Langsamkeit.

Vielleicht lastet auch zu viel Verantwortung für das zweieinhalb Stunden lange Stück auf den schmalen Schultern und dem schmalen Gesicht des positiven Helden Paul, dem Thronfolger im Hause der Atreiden. Im Vergleich zu ihm ist alles Drum und Dran monumental, was es an Protokoll, an Statuarik, auch des Bühnenbildes gibt, das oft ans alte Ägypten erinnert, an Pyramiden, an klassische große Oper; und dann ist der junge Held nicht mal ein Romeo, sondern mit einer abstrakten Aufgabe, einer Machtaufgabe betraut. Und ist so gar kein Herkules oder Muskelprotz oder Schlägerheld oder politischer Ränkeheld.

Und wie soll dabei Thimothée Chalamet das dem Film vorangestellte Motte „Träume sind Botschaften aus der Tiefe“ plausibel machen? Und das bei dieser rituell langsamen Erzählweise in staatstragend, imperialer Ikonographie? Trotzdem: die Vorstellung von Wüstenwürmern, die ist gruselig; die schwitzende Wüstenmaus richtig süß gegen Klopfer und Desertpower rundum.

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