Waren einmal Revoluzzer

DNA-Austria

In Deutschland wäre so ein Film, wie dieser von Johanna Moder, kaum denkbar, in dem sich die intellektuelle Elite so selbstironisch und unterhaltsam auf die Schippe nimmt.

Das hängt wohl mit dem sogenannten Wiener Schmäh zusammen, den man separat untersuchen müsste und vielleicht auch damit, dass in Österreich, wie in Frankreich, die Hauptstadt auch das intellektuell-künstlerische Zentrum ist, während in Deutschland die Filmproduktion sich in x Länderförderungen verästelt, jeder Landesfürst ein kleiner Hollywoodproduzent, was natürlich nicht gelingen kann, was schon in die Drehbucharbeit miteinfließt, die Texte und Themen müssen gremien- und meist auch TV-kompatibel sein, was zu massiven Witz- und Substanzverlusten führt.

In Wien ist es die mittlere Generation von Intellektuellen, von Gebildeten, die mit Weltveränderungsambitionen ins Leben gestartet sind und nach einigen Jährchen in Berufs-, Ehe- und Familienleben so manchen Abrieb erfahren haben; es wird ein 40. Geburtstag gefeiert.

Der Fall, der Weltoffenheit und Toleranz auf den Prüfstand und die inzwischen eingerichtete Komfortzone in Frage stellt, ist folgender: Helene (Julia Jentsch) ist Richterin. Sie ist mit Jakob (Manuel Rubey) zusammen, der gerade eine Ruhephase braucht, um seine kreative Schwäche zu überwinden, um wieder Songs komponieren zu können (schön, wie er seine Ideen an einer Wäscheleine aufhängt). Die beiden Töchterchen haben Jakob und Helen bei den Großeltern untergebracht.

Helen bittet den befreundeten Volker (Marcel Mohab), ein verschlossenes Couvert an jemanden in Moskau zu überbringen, da Volker dort oft geschäftlich zugange ist. Volker ist mit Tina zusammen. In Moskau kommt es zu einer höchst konspirativen Übergabe des Couverts an den abgetauchten Pavel (Tambet Tuisk).

Die Folge ist ein urchristliches Problem, was die Christenheit sich jede Weihnachten wieder erzählt: die Suche nach einer Herberge. Denn Volker hat aus eigener Initiative Pavel samt Frau Eugenia (Lena Troonina) und Kleinkind zur Ausreise aus Russland verholfen. Da Eugenia offenbar international zur Fahndung ausgeschrieben ist, haben die beiden befreundeten Paare ihr Problem mit deren Unterbringung.

Dieses Problem wird zum Lackmustest ihres ehemals propagierten Revoluzzertums, ihres Idealismus und beschert dem Film jede Menge kuriose, für den Zuschauer köstliche Situationen; wobei auch jeder sich an der eigenen Nase nehmen dürfte und sich fragen, wie würde ich reagieren, wenn plötzlich hilfesuchende Menschen vor meiner Tür stehen. Josef Hader hat einen Auftritt als Vater von Volker und Autor eines sinnstiftenden Buches.

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