Marvel-Operette
So süffig und leichtverdaulich wie eine Operette zwischen romantischer bis zirzensischer Augenweide erzählt Destin Daniel Cretton, der mit Dave Callaham und Andrew Lanham auch das Drebhbuch geschrieben hat, diese Heldengeschichte, die sich um das Geheimnis von Macht und Familie dreht.
Macht und Mann. Was ist wahre Macht? Doch solche, die tausend Jahre währt, die einen Mann unbesiegbar macht. Die Erzählung geht weit zurück. Die zehn Ringe sind so ein Machtgeheimnis. Über sie verfügt Wenwu (Tony Chiu Wai Leung). Das ist Magie, wie sie ganze Heere besiegen kann.
Wenwu hat die Kinder Shang-Chi (Simu Liu) und Ying (Ichelle Yeoh). Beide sind perfekte Leinwandschönheiten und nicht ganz so perfekt, aber das ist gezielt, ist Katy (Awkwafina); schön ist sie auch, aber bodenständiger, fleischlicher, sie hat einen Fuß noch in der Realität. Sie arbeitet mit Shang-Chi in Kalifornien in einem Hotel. Sie bringen die Autos der Gäste in die Garage.
Mit so einer Szene werden Schang-Chi und Katy vorgestellt. Sie sollen den roten Rennwagen eines betuchten Gastes in die Garage fahren. Katy will mit dem PS-Protz eine Spritztour macht. Den Kollegen und ansatzweise Freund muss sie dazu überreden. Dann gibt’s Party.
Diese Geschichte wird handfest in amerikanischen Alltags- und Einwanderermilieu angesiedelt. Katy wohnt bei ihrer chinesischen Familie. Hier frühstückt sie und fährt anschließend mit Shang-Chi mit dem Bus, auf dem „California“ drauf steht, zur Arbeit.
Bei der Busfahrt greift nun ein höheres Geheimnis, eine höhere Magie ein. Shang-Chi wird während der Fahrt plötzlich angegriffen von einer Horde von Männern, die nicht die schlechtesten Kämpfer sind. Er selbst entpuppt sich als Superhero, der alle erledigt. Ein Fahrgast, der aussieht wie der prototypische Internet-Nerd stellt die Szene live auf Youtube.
Derweil ist der Busfahrer ausgefallen und Katy hockt sich ans Steuer und rast hochspektakulär durch die Stadt, ein Action-Bonbon der Sondersorte.
In Rückblenden ist nach und nach etwas über den familiären Hintergrund und die Kraft der zehn Ringe, die Shang-Chis Vater an den Armen trägt, zu erfahren. Eine Postkarte aus Asien beordert Schang-Chi nach Macao. Dort macht er seine Schwester ausfindig. Auch dort geht es kämpferisch gleich zur Sache. Katy hat sich ihm abenteuerlich angeschlossen.
Es folgen sensationelle Kämpfereien an einem Hochhausgerüst, artistischer geht kaum. Dabei kommt dem jungen Helden das Amulett, das er von seiner Mutter überreicht erhalten hatte, abhanden. Auch seine Schwester, die sich als noch stärkere Kämpferin erweist, hat ein genau gleiches Amulett. Auch ihr wird es gestohlen.
Klar, die zehn Ringe vom Vater, die sind noch nicht das Ende der Fahnenstange übermenschlicher Kräfte. Es gibt da noch einen ganz vesteckten, unzugänglichen Ort. Auf dem Weg dorthin macht ein BMW gute Figur bei rasender Fahrt durch einen sich immer wieder dicht schließenden Wald; wie beim Motiv vom sich teilenden Meer.
Vater ist auch wieder ins Spiel gekommen. Er scheint der Drahtzieher im Hintergrund, ist gut ausgerüstet mit einer exklusiv trainierten Privatarmee. Die Auseinandersetzung um die noch geheimeren Kräfte verlagert sich in den Dschungel; der große Protektor. Da gibt es ein malerisches Völkchen – reinste Operettenausstattung und deren Museum erinnert an amerikanische Siedler.
Vater hat eine gewisse Affinität zur Dunklen Seite, die ihm nicht bekommen wird. Es kommt noch zu apokalyptischen Auseinandersetzungen mit fliegenden Drachen. Und in den Abspann hinein wird die Geschichte fortgeschrieben.
Was im klassischen Theater der Narr, ist hier Trevor Slattery (Ben Kingsley) ein Schauspieler mit einem merkwürdigen Flügel-Mops-Tier ohne Gesicht, das allerliebst Gruns-Quietschlaute von sich gibt. Das wird mit dem Spaß an der leichten Muse perfekt seviert, bleibt insofern ein wenig phrasenhaft.