Die Welt jenseits der Stille

Flohmarktkino,

aber Hallo, ein Flohmarkt voller Trouvaillen weltweit! Leider in der unsäglichen TV-Verzopfmanier verhackstückt; wobei Kinogänger und Flohmarktgänger nicht unbedingt identisch sein müssen; das dürfte sich nicht gezwungenermaßen positiv auf den Zuspruch im Kino auswirken.

Es ist ein Konzeptfilm, geboren aus der Corona-Quarantäne-Situation. Als Autor und Regisseur firmiert bei IMDb Manuel Fenn. Andere haben auch mitgemischt bei der Idee, exzellente Dokumentarfilmer in allen möglichen Weltgegenden aufzutun, die an ihren Orten Menschen finden, die sich eh schon in einer Fremdposition befinden und festzuhalten, wie sie mit ihrer Corona-Situation umgehen.

Dass sie spitzenmäßige Filmer gefunden haben, merkt man daran, wie einen die jeweiligen Protagonisten berühren, wie sie sich einem einprägen.

Die ältere ausgehagerte und stark rauchende Polin, die als Pflegerin in Rom arbeitet. Aber ihre Patientin ist gerade gestorben. So bleibt die Pflegerin allein in der Wohnung, sitzt auf dem Balkon, schaut auf andere Balkone, raucht, organisiert ihre Rückkehr nach Polen.

Der chinesische Kampfsportmeister, der in Berlin eine Schule betreibt, prima Deutsch spricht, ganz armselig und ohne Sonnenlicht sich in seinem Studio eingerichtet hat und dann ein merkwürdig möbliertes Appartment in einem Wohnblock bezieht: grad gemütlich sieht das nicht aus.

Der Latino, der in New York mit dem Fahrrad Pizzen ausfährt, seine Wohnung verloren hat und fünf Liter Cola am Tag trinkt und behauptet, das würde ihm nicht schaden. Das Ehepaar in Argentinien, das in Scheidung lebt und jetzt mit den beiden Kindern in ihrem Reihenhaus gefangen ist. Diese haben ihre Statements selber aufgenommen.

Die Indigenen im Amazonas-Gebiet, die Angst vor dem Virus haben und ein Isolationshaus bauen, bevor das Virus sie tatsächlich heimsucht. Der russische DJ, der das Glück hat, dass sein Kumpel und dessen Freundin im selben Haus wohnen, so dass sie kreativ arbeiten können.

Der iranische Schafhirt, der praktisch nur von Drohnenaufnahmen aus zu sehen ist und der seine Herde durch ein ärmliches Dorf führt. Der Blinde, der in Kuala Lumpur einen Telefonisten-Job hat und der seine Familie auf dem Dorf besucht und mit Geschenken beglückt.

Der Film ist sein eigenes Dokumentarfilmfest, der ein Stück Corona-Zeigeschichte in intimen Porträts festhält, der in überwiegend bescheidenen Behausungen sich aufhält. Corona lässt die Menschen mit ihren Alltagsnöten allein; es ist nicht die Zeit brillanter Lebensentwürfe; fehlt ihnen doch glatt das Publikum.

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