Son of the South

Ein guter weißer Amerikaner 

Nicht jeder weiße Amerikaner ist Rassist, auch wenn der Rassismus in den USA nach wie vor ein brennendes Problem ist. Weshalb auch die Geschichte der Schwarzen Befreiung und der Weg zur theoretischen Gleichberechtigung weiterhin genügend Stoff für das Kino liefert; in der Lebenspraxis ist das lange noch nicht angekommen, was zuletzt der Tod von George Floyd bewiesen hat. 

Dass ein Weißer sich aktiv auf die Seite der Schwarzen stellt und bei einem Freiheitsmarsch mitgeht, war 1961 ungewöhnlich und noch ungewöhnlicher ist, dass darüber heute ein Film gemacht wird. 

Bob Zellner war so ein Weißer, Sohn eines Methodistenpredigers, eines bekehrten Ku Klux Klan Mitgliedes aus Alabama. Ihm widmet Barry Alexander Brown diesen Film, den Bob Zellner auch beraten hat und dessen Buch als Grundlage für das Drehbuch genommen wurde. 

Er behandelt die Vorgänge in den frühen 60ern, der Zeit der gewaltlosen Friedensmärsche der Schwarzen, die zum Teil brutal niedergeknüppelt wurden. 

Das war die Zeit, als Bob (Lucas Till, ein fast prototypisch junger weißer Amerikaner) sich als etwa 30-Jähriger entscheidet, die Schwarzenbewegungen aktiv zu unterstützen, was dort auch wieder nicht nur auf Gegenliebe stößt. Wengistens soll er lernen, wie man Nigger korrekt ausspricht, er solle sich ein Knie denken, also „knee“ und dann an das Heranwachsen, to grow, knee-grow. 

Der Film veranschaulicht die Methode der Gewaltlosigkeit auch insofern, als die Handlungen von Bob durch viele Gespräche begleitet, vor- und nachbereitet werden mit unterschiedlichen Partnern, mit Mitgliedern aus der Familie, Eltern, Geschwistern, dem Opa, der noch vehementer Rassist ist, aber auch mit Vertretern des SNCC, der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. 

Gespräche als Ersatz für Gewalt, Gespräche als Fundierung des eigenen Handelns, das oft im Widerspruch zum Mainstream steht, gerade in den Südstaaten in dieser Zeit. Dabei gibt es durchaus köstliche Szenen.

Zellner meldet sich freiwillig für den Sommer beim SNCC. Er wird unbesehen genommen; erstaunlich wie unkompliziert ihm die Schlüssel des Büros und der Aktenkoffer übergeben werden. Dann sitzt er da und macht wochenlang Telefondienst, kapiert selber nicht so ganz, was das soll, weil er sich in seinen idealistischen Träumen die Weltveränderung sichtbarer, spektakulärer vorgestellt hat. 

Da Rassimus und Hass zur Zeit weltweit hässliche Blüten treiben, hat der Film weit über die amerikanische Geschichte hinaus Bedeutung im Hinblick auf gewaltfreie Bewältigung emotionsgeladener Konflikte. Wobei just dieses Training im Film auch seine Blüten treibt. Und man sieht, wie schwer es ist, auf Provokationen, die die Grenzen des Anstandes überschreiten, ruhig zu bleiben, sich nicht auf den Spiralmechanismus der Gewalt einzulassen. 

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