Sky Sharks

Doch das Böse

ist nicht aus der Welt zu schaffen, es treibt sein Unwesen in der Realität, in unseren Hirnen, die Geschichte ist getrieben davon, es nimmt groteske, fantasievolle, aufregende Formen an, es ist ein Tummelfeld für das Kino und vor allem, es wird weiterleben, es ist nicht auszurotten, davon ist Marc Fehse, der mit A..D. Morel und Carsten Fehse auch das Drehbuch geschrieben hat, überzeugt, einen Hinweis darauf gibt eine Pointe ganz spät im Film.

Bis dahin batzt und dreckelt und spielt Fehse lustvoll mit den Ikonographien des Bösen von der Nazizeit bis Vietnam und bis hin zum Forscherzynismus und viele Bilder erinnern an ganz aktuelles Newsmaterial aus Afghanistan, einem Hotspot des Bösen zur Zeit.

Er gibt auch eine kleine mögliche Gebrauchsanweisung für diesen Film, der garantiert keine Jugendfreigabe erhält. Auf dem Langstreckenflug NHL 234 FIN Airlines von Frankfurt nach Vancouver sitzt ein Vater mit seinem Töchterchen. Sie langweilt sich; spielt mit einem Spielzeughai, den sie vorm Fenster, vor den Wolken in die Luft hält. So raffiniert kann ein Film auf sein Hauptsujet hinweisen. Der Vater sitzt daneben, schaut einen Film, Fantasy oder Horror auf dem Bildschirm. Andere Passagiere auch. Ein Film gegen die Langeweile also.

Die Langeweile auf dem Flug geht bald abrupt zu Ende, noch ist ‚Vamos a la playa‘ kaum fertig gespielt. Da tauchen die Titeldinger auf, die Sky Sharks, fliegende Ungetüme, die aussehen wie vollgefressene Haie, geritten von einem Krieger in martialischer Uniform. Vom Menschen darin ist wenig zu sehen. Viel Menschliches dürfte in den Superkriegern nicht übrig geblieben sein.

Fehse macht kein großes Federlesens, die Menschen haben nicht viel Zeit, Angst zu entwickeln. Das Blut spritzt nach dem Entern des Flugzeuges durch die Supersoldaten hektoliterweise, Trash oder was auch immer, lustvoll batzendes Spiel mit dem Entleiben, Enthaupten, Durchstechen von Flugpassagieren, launiger Slash-Trash. Es sind ja nicht nur Bilder der Möglichkeit. Und es sind beileibe nicht nur die Taliban, die ähnliche Blutorgien praktizieren.

Richter Technologies ist ein Forschungsunternehmen mit Dr. Klaus Richter (Thomas Morris) an der Spitze. In den USA propagiert es seien Beitrag zu Fortschritt, Technologie, Freiheit, Demokratie. Doch wie beim Symbolbild der Frau Welt, hat die Firma ein dunkle Seite, die in der Nazizeit wurzelt und in der Vietnam-Zeit fruchtbar wurde in der Entwicklung des unbesiegbaren Soldaten mit dem Projekt Dead-Flesh, der sogar von einem Masterhirn aus ferngesteuert werden kann, was Forscherhybris immer wieder entwickeln will.

Richter hat zwei Töchter, Diabla (Eva Habermann) und Angelique (Barbara Nedeljakova). Die kommen erst allmählich hinter die Geschichte ihres Vaters, wie die Sky Sharks aus ihrer Tieffrierruhe in der Arktis aufgetaut und aufgetaucht sind.

Jetzt ist die ganze Welt alarmiert und in Gefahr, alle Städte sind bedroht. Es gibt Kooperationen weltweit mit den Geheimdiensten und Armeen, die scheinbar Unbesiegbaren zu bändigen und zu erledigen.

Dazu bedarf es, auch das ist nicht weniger zynisch als so vieles andere sowohl im Film als auch auf der Welt, eines erlaubten Fluges, in dem vom Flugverkehr stillgelegten Himmel (auch einer Pandemieerfahrung, die für uns nicht so weit weg ist). Diabla: Wir benutzen unschuldige Menschen als Köder.

Im Vorfeld spielt ein von den Nazis genmanipuliertes Serum K7B eine Rolle, das von einem Dr. Hans Kammler (Detlef Bothe) entwickelt wurde, einer Naziforschungsgröße, die es sich erlauben kann, selbst Göring (Oliver Kalkofe) warten zu lassen. Kleine Episode dabei: wie Göring überzeugt ist von der Wirksamkeit des Serums, und dass es den Endsieg garantieren würde, lädt er Kammler auf die Jagd ein. Das zeigt, dieser Trash- und was auch immer -Film, bleibt auf dem Boden; wenn auch gleich wieder die Fantasien vom Supersoldaten blühen.

Und dann wieder ganz nah: aus dem angegriffenen Flugzeug fallen Menschen vom Himmel, sie taten es 9/11 aus Hochhäusern, sie haben es eben wieder in Kabul von Fliegern getan. Und auch das fast leere Großraumflugzeug geisterte dieser Tag durch die Medien.

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