Reminiscence – Die Erinnerung stirbt nie

Diese Vergänglichkeit 

Darüber kann man sich schon ärgern und gleich einen Film machen zu dem Thema wie Lisa Joy.

Aufgedonnert fängt der Film und imposant an mit einer rasenden Kamerafahrt über ein stilisiertes Wolkenkratzer-Miami und dann halsbrecherisch hinein in die Gassen. Dazu donnert die Musik, donnern die Trommler, hallo, wir haben Euch etwas ganz Wichtiges zu erzählen, die Story von der Vergänglichkeit und dass das Gedächtnis eine Fessel sein kann, dass es uns heimsuchen und traumatisieren kann.

Und die Trauer darüber, dass es keine perfekte Geschichte gibt oder eben nur im Film, aber dass nach dem Glücksmoment, dem Liebesmoment die Geschichten normalerweise weitergehen und dann auch wieder in Tiefen sausen.

Hugh Jackman als Nick Bannister betreibt ein Institut, in welchem gegen diese beängstigende Eigenschaft des Gedächtnisses gearbeitet werden kann. Er hat eine Apparatur, die altmodisch mechanisch in Gang gesetzt wird. Sie soll dem Gedächtnis der Probanden oder Patienten oder Kunden auf die Sprünge helfen. Sie müssen sich am Kopf verkabeln lassen und sich mit nacktem Oberkörper in eine wässrige Flüßigkeit legen, die in einer Glaswanne ist. Dann erscheinen auf einer Rundbühne als Hologramme die Gedächtnisschnipsel.

Bei dieser holographischen Rückholung der Bilder schauen Nick und seine Assistentin (Thandiwe Newton) zu. Er bekommt so intimste Einblicke in die Lebensgeschichten seiner Probanden.

Kundin Mae (Rebecca Ferguson) will bei Nick herausfinden, wo sie ihre Schlüssel hat liegenlassen. Nick findet Mae attraktiv, schleicht sich nach der Sitzung in ihr bei ihm gespeichertes Gedächtnis. Sie tritt als Sängerin in einem Nachtlokal auf. Nick macht den Fehler, den Profis in solchen Filmen zu machen pflegen, er fängt an, sich privat für Mae zu interessieren, stiehlt ihr nach, dringt in ihr Leben und in ihre Vergangenheit ein. Selber schuld.

Zudem macht Nick Selbstexperimente und stößt bei seinen Erinnerungen auf Schnittmengen mit Mae. Somit ist die Ausgangslage geschaffen für jede Menge Gedächtnissitzungen und da Mae eine Vergangenheit mit Männergeschichten und Kind hat, werden sich entsprechende Situationen für das Männchen-Weibchen-Schema ergeben, ganz konventionell mit männlichen Gockeleien, die schnell zur Rangelei werden oder zur Pistole greifen lassen, wie im Hollywood-Kanon schon tausendfach ausprobiert.

Es ist vielleicht die Suche nach dem Glücksmoment, den Lisa Joy festhalten möchte, die Wehmut darüber, dass das nicht geht, außer vielleicht im Film, weil da die Geschichten ein Ende haben im Gegensatz zum richtigen Leben, wo es nach dem Höhepunkt des Glücks wieder weiter geht und gerne auch wieder abwärts. Im Kino kann die Story da angehalten werden, wo es am schönsten ist; kann das Glück zur Erinnerung festgeschrieben werden, der Kuss von Mann und Frau.

Die Regisseurin lässt, das ist ein ausgzeichneter Ausstattungseinfall, Miami allmählich im Wasser versinken, ganz klar als Folge des Klimawechsels und das ist schon zauberhaft, wie Miami so sich allmählich in Venedig verwandelt, sich europäisiert gewissermaßen, ein Wunschtraum wohl. Oder vielleicht die Frage: was wäre eine Liebe ohne Geheimnis?

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