Killers Bodyguard 2

Der Tiefseegraben vor Viareggio ,

Salma Hayeks Aufregung darüber, dass sie bei einer Verfolgungsjagd nicht den Sports-BH trage, Ryan Reynolds Ärger darüber, dass er nicht die Triple-A-Bodyguard-Auszeichnung erhalten hat und Samuel L. Jacksons Problem damit, dass ihm bei einer Schießerei ein kleines, weiches Körperteil, das nur Männer haben, beschädigt wurde mit Folgen, das sind Hinweise darauf, dass die Macher des Filmes, Tom O’Connor als Autor und Patrick Hughes als Regisseur, nicht zuvörderst den todernsten Thriller im Kopf hatten, sondern eher einen derben Agentschwank mit Pointen um der Pointen willen im Sinne einer Veräppelung des Genres, dies aber hochprofessionell.

Hayek, Jackson und Reynolds sind das Trio Infernale, das von seinesgleichen und den Offiziösen abgelehnt wird, sie werden die Lügnerin, der Killer und der Bodyguard genannt. Das verdeutlicht wiederum, mit welchen Waffen hier das ordentliche Agentengenre geschlagen werden soll.

Der Film spielt im Wesentlichen an den westlichen Ufern des italienischen Stiefels und lässt im Kopf schnell mal eher altmodische Filme von denselben Gestaden Revue passieren. Das verleiht dem Film einen verblichenen Charme von einer Art, die ihn attraktiv macht. Das heißt auch, wir müssen uns keinen kinematographischen Modemätzchen von Heerscharen von Computeranimationsspezialisten aussetzen.

Hier ist händische Action, natürlich nicht ohne Trick, angesagt und die ist durchaus heftig, was da mit den Körpern der Darsteller teilweise passiert, nicht immer mit Übelebensgarantie. Es wird derb gesprochen und gewitztel; Salma Hayek macht es allen vor. Während Reynolds gerade in einem Mimosenstadium ist nach dem letzten, verpatzten Bodyguard-Auftritt, der ihn wie ein Trauma begleitet und zu einer wirklich nicht auf jugendlich getrimmten Psychiatrin geht, die ihn wiederum möglichst schnell los werden will, ihm ein Sabbatical empfiehlt, ganz ohne Waffen und die entsprechenden Auseinandersetzungen.

Das ist genau die richtige Voraussetzung, um erst recht in genau diese Art Diskussion hineinzugeraten. Es geht um die Rettung der Welt, das ist nun nicht neu, neu ist, dass es darum geht, dass der Oberbösewicht Aristoteles Papadopolus (Antonio Banderes) die gesamte europäische Internetkommunikation, die durch einen Knoten im besagten Tiefseegraben vor Viareggio läuft, das ist herrlicher Humbug, mit einem Bohrer anzapfen und mit Viren verseuchen will.

Woher die Idee kommt ist klar, die bezieht sich darauf, dass die Amis über solche Punkte am Rande des Atlantiks die ganze Internetkommunikation überwachen und anzapfen können. Dieser Bezugspunkt bleibt abstrakt, ist aber aktuell; im Gegensatz zum Vorgängerfilm vom selben Team, Killers Bodyguard, dessen Aktualität die war, dass ein Zeuge sicher vor den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gebracht werden musste; das hat mit Gerechtigkeit zu tun und der immer noch mangelnden weltweiten Anerkennung der Institution und hat doch eine andere Wertigkeit als Datenspionage mittels eines im Meer versenkten Schaltkastens. Insofern ist dieser zweite Film harmloses Blödeln auf ordentlich professionellem Niveau, Knallerkomödie ohne Rücksicht auf Nuancierungen. 

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