Die Rote Kapelle

Horror Krieg

Leicht konsumierbar, thrillerhaft, historisch, widerständlerisch ist diese Doku über das Agentennetz „Die Rote Kapelle“ von Carl-Ludwig Rettinger, der mit Lorenz Findeisen auch die Regie geführt hat. Es geht um Widerstand gegen das Dritte Reich.

Es ist eine gleichermaßen anregende wie verwirrende Montage aus Footage aus je einem Spielfilm aus der DDR und einem aus der BRD, aus einer ARD-Serie zu dem Thema sowie Archivmaterial aus unterschiedlichsten Quellen und angereichert mit Interviews mit Nachkommen in zweiter und dritter Generation, teils in Foltergefängnissen zur Welt gekommen.

Eine Welt aus Tarnung, Täuschung, aus falschen Identiäten, aus Verrat und Heldentum, was teils nicht honoriert wurde. Deprimierend, wie Stalin die Infos der Gruppe ignoriert und für nichts wert hielt. Deprimierend wie die Sowjetunion mit den mutigen Leuten umgegangen ist.

Der Film lässt nachdenken über Sinn und Unsinn von Krieg; grad jetzt, wo der Afghanistaneinsatz definitiv zum Pleiteeinsatz wurde. Wobei das Kino wiederum ein wunderbares Medium ist für Welten der Täuschung und der falschen Tatsachen, der vorgespielten Identitäten und Bilder.

Gleichzeitig transportiert der Film die ganze Faszination des Agentenwesens, der wir allzu leicht im Agententhriller-Genre erliegen. Es wird erwähnt, dass die beiden Filme aus der BRD und der DDR die grauenhaften Seiten, nämlich die Folterungen in berüchtigten Gefängnissen, ausgeblendet hätten, nachdem die Rote Kapelle in Frankreich aufgeflogen war.

Im Film selbst wiederum sorgt beispielsweise für Spannung der Ortungswagen der Nazis mit der großen Kreisantenne auf dem Dach, die die Herkunft der Funksprüche nach Moskau zu eruieren sucht.

Der Film ist den 102 Widerstandskämpfern des Untergrundnetzwerkes Rote Kapelle gewidmet. Er skizziert den Aufbau des europäischen Netzes ausgehend von Brüssel. Bringt Figuren, die an wichtigen Stellen im Dritten Reich Zugang zu Informationen hatte, näher oder wie die Leute das Funken lernten und unvorsichtigeweise viel zu lange am Stück mit Moskau in Kontakt waren, so dass sie gepeilt werden konnten.

Richtig schöne Agentromantik kommt in dem Badezimmer mit der blau gekachelten Wand auf, in der die Ausbuchtung für die Seifenschale der Griff zu einer geheimen Tür zum Funkraum ist.

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