Coup

Über die sittliche Reife, mit geklauten Millionen zu leben.

Dokumentarisch an diesem faszinierenden Film von Sven O. Hill ist der Originalton eines Mannes, der mit 22 Jahren eine Bank um über 2 ½ Millionen erleichtert hat. 

Dieser Mann erzählt heute in wunderbarem Hamburger Dialekt seine Geschichte aus den 80er Jahren. Er selbst ist im Bild, aber nur aus der Ferne, nicht identifizierbar, hat auch im Film wohl keinen Namen. Daniel Michel spielt ihn, der früh schon den Spagat zwischen Bankkaufmann als Beruf und Rockerexistenz mit Motorrad und Gang in der Freizeit übte.

Sven O. Hill illustriert diese Geschichte mit nachgestellten Szenen und auch mit köstlichen Animationen; verleiht dem begeistert und genau rekonstruierten 80er-Jahre-Look eine nostalgisch erwärmende Ausstrahlung. 

Für die markante Marke sorgt die Original-Icherzählerstimme, wogegen sich die Illustration achtungsvoll zurücknimmt, was dem Film zusätzliche Stärke verleiht. 

Banktechnisch kommt einem die Betrugsmasche wie ein anachronistischer Vorläufer der Cum- und Ex-Betrügereien vor. Hier geht es um Coupons von Aktien, die damals gerne noch bei den Banken bar eingelöst und entsprechend ausbezahlt wurden. 

Es geht um Inhaberpapiere, die nicht auf einen speziellen Namen lauten, sondern dem gehören, der sie in der Hand hält. Insofern ist der Film auch ein Stück charmanter Bankgeschichte. Mit der Schere sollen die ausgezahlten Coupons entwertet werden, ein mühsamer Vorgang, denn manche Aktienbesitzer tauchen mit riesigen Bündeln solcher Coupons in der Bank auf; das ließ die Entwerter nachlässig werden, sie zum Lochprinzip greifen. Hier setzt die kriminelle Energie des Protagonisten ein. 

Dass Luxemburg ein Geldwäsche- und Geldversteckparadies ist, gehörte schon damals zum Allgemeinwissen. Der Protagonist entwickelt den sicheren Plan, der ihn mittels nicht entwerteter Coupons zum Millionär machen soll. Allein war das nicht zu stemmen. Er engagierte einen Kumpel (Tomasz Robak), der auch mit nach Australien fliehen würde, weil es kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland gegeben hat.

Das hat Humor, wie die auf Banker hergerichteten Rocker in Luxemburg bei der attraktiven Bankerin (Fabienne Helene Hollwege) ein Konto eröffnen wollen – und es auch tun können; halbherzig vor dubiosen Geschäften abwiegeln konnten die Luxemburger schon damals. 

Aber wie so oft beim perfekt vorbereiteten Verbrechen ist es der menschliche Faktor, der einen Strich durch die Rechnung macht oder wie der Protagonist es heute formuliert, es fehlte im mit 22 an sittlicher Reife, nicht den originellen Coup zu landen, sondern nachher mit dem Reichtum zu leben – in Australien. Man zieht eine Paralle zu Herrn Marsalek, der gerade weltweit gesucht wird. 

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