Candyman

Exhibition of Gentrifizierung of Black Power mittels elegantem Design und Horror.

Dieser Film von Nia DaCosta, die mit Jordan Peele und Win Rosenfeld auch das Drehbuch geschrieben hat, ist so exquisit ausgetüftelt in allen Gewerken, dass man den Film in Ruhe nochmal durchgehen sollte, um Bild für Bild zu ausführlichen Beschreibungen zu gelangen.

Allein das Schattenspiel der Stabpuppen, die die Geschichte vom Candyman mit der Armprothese mit dem gefährlichen Haken statt einer Hand illustriert.

Allein die Eingangsszene, die 1977 spielt im Cabrini Green, einem ärmlichen Schwarzenviertel aus halbwegs kommoden Wohnblocks mit je einer Waschküche. Wie die Polizei versucht, dem gefährlichen Candyman aufzulauern, der Kinder mit Bonbons lockt und eine Blutspur hinterlässt.

Wie der kleine Bub mit Wäsche in die Waschküche runtergeht und dann in einem verputzten Mauerloch plötzlich der Schreckensfigur begegnet. Wie die lauernde Polizei die Schreie hört und losrennt. Das ist das Vorspiel.

Candyman ist nicht so leicht aus der Welt zu verbannen. Die Geister, die bösen, die die Schwarzen plagen, seit sie als Sklaven aus Afrika nach Amerika entführt worden sind, sind zäh und langlebig wie tiefe Traumata, die über Generationen vererbt werden.

Da hilft ein Zeitsprung nach 2019 nicht viel, da mag sich Chicago noch so sehr gentrifiziert haben, da mögen sie Schwarzen noch so sehr eigene Aufstiege ins bürgerliche Kulturmilieu vollzogen haben; Candyman rumort weiter.

Der arrivierte Maler Anthony McCoy (Abdul-Mateen II) bewohnt mit seiner Frau Anne-Marie (Vanessa Williams) ein schick gentrifiziertes Loft. Sein Galerist ist unzufrieden mit ihm. Er möchte was Neues.

Anthony stößt auf die Geschichte von Candy Man, recherchiert diese und verarbeitet sie in einem Bild, das sich hinter einem Spiegel versteckt. Das Kunstwerk nennt er „Sag meinen Namen“. Sag Candyman, fünf Mal.

Der Spuk funktioniert noch nicht bei der eleganten Vernissage, die ein Blick auf das Chicagoer Kunstvolk, auf die Kunstsociety wirft. Aber dann, aber dann. Es bleiben Blutspuren wie Kunstwerke zurück, malerisch drapierte Leichen. Der Spuk ist nicht vorbei. So ist es wohl mit Spuk, so ist es wohl mit Traumata, das sollte man sich merken.

Davon lassen sich Kamera, Ausstattung, Casting, Schnitt, Ton jedenfalls massiv inspirieren, so gut wie keine erwartbaren Standardsituationen sind anzutreffen, stattdessen höcht poppig erzählendes Kino. Es wird wild mit den Perspektiven gespielt.

Und dass in einer Pressevorführung das Gros der Anwesenden bis zu den deutschen Synchronamen im Abspann sitzen bleibt, habe ich auch noch nicht gerade erlebt. Ein magnetisierendes Kulturereignis.

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