Unter den Sternen von Paris

Frohe Botschaft

Ihr, die Ihr im Elend liebt, Ihr, die Ihr in den Katakomben von Paris lebt, Ihr, die Ihr illegal in Paris lebt und von Abschiebung bedroht seid, Ihr, die Ihr von Euren Müttern getrennt seid, fürchtet Euch nicht, auch bei Euch ist Menschlichkeit möglich, auch bei Euch ist menschliches Glück möglich, wenn es am Ende nur ein Abschiebeglück ist. Das scheint mir die frohe Botschaft zu sein, die Claus Drexel, der mit Olivier Brunhes auch das Drehbuch geschrieben hat, mit seinem Film verkünden will.

Ausgiebig schildert er, und im Grunde genommen fast romantisch, das Leben der Obdachlosen Christine (Catherine Frot) an den Ufern der Seine, die dort in irgendwelchen halb nur verschlossenen Räumen Obdach findet, mit einem Arbeiter von der Stadtverwaltung als wohlwollendem Dulder. Das Elend des Lebens ohne Obdach wird einem nicht vorenthalten. Wie die kranken Füße mit Lappen eingebunden werden, wie das mit den Schuhen zu einem schweren Gang führt, wie Christine sich mit ein paar Tropfen Mineralwasser wäscht.

Christine läuft ein etwa zehnjähriger Junge zu, Suli (Mahamadou Yaffa). Er ist wie aus der biblischen Geschichte christlicher Missionare, die solche Kinder damals noch mit einem Namen und mit einem Diminutiv versehen haben, der heute politisch nicht mehr korrekt ist, und die in der Sonntagsschule als niedliche Figürchen nickten, wenn man ein Zehnerl eingeworfen hat. Möglicherweise hängt es mit den Folgen dieser Groschen zusammen, dass die europäischen Länder ein Immigrationsproblem zu haben behaupten.

Ohne auf die Hintergründe einzugehen, schildert Drexel das Milieu der Obdachlosen und der Sans-Papiers, also der Illegalen; als Faden benutzt er die Geschichte mit Suli, der von Christine nicht mehr weichen will und die ihn anfangs brüsk zurückstößt. Dass sich das drehen wird ist absehbar.

Christine wird zur Verteidigerin und Helferin für Suli, der seine Mutter sucht. Das führt zu einem Ausbruch aus ihrem Milieu, einem Road-Movie quer durch Paris bis zum Flughafen. Realistisch erzählt ist das nicht; was den Eindruck eines Botschaftsfilmes deutlich verstärkt oder den eines Filmes, der durch seine Geschichte rühren möchte. Die andere Frage ist, wie groß der Rührbedarf des modernen Kinogänger durch solche Geschichten ist.

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