Snake Eyes

Unterschätzt die Omas nicht!

Diese Erkenntnis liefert der kräftig angerührte Action-Film von Robert Schwentke nach dem Drehbuch von Evan Spiliotopoulos, Joe Shrapnel und Anna Waterhouse erst 20 Jahre nach der kristallklaren Exposition und nachdem der Film von Los Angeles nach Tokio übergesiedelt und mitten in eine Familienfehde hineingeraten ist und sich dadurch vom anfangs präsentierten Thema entfernt hat. Dieses ist Rache.

Ein Revenge-Film, der Slalom fährt. Snake Eyes (Henry Golding) muss als Bub erleben, wie sein Vater ermordet wird. Dieser war ein Berufs-Killer. Er zieht sich mit seinem Sohn in ein Safe-House zurück. Diese ist nicht so safe, wie es sich anhört.

Der Bub sieht den Mörder (Samuel Finzi). Deshalb wird er ein Kämpfer; er hat die Motivation für sein Leben gefunden: Rache am Vater. Snake Eyes wird er genannt, weil er gesehen hat, wie der Tod seines Vaters ausgewürfelt wurde; wenn zwei Würfel geworfen werden und beide haben eine Eins, ein Auge nach oben, Schlangenblick.

Als Erwachsener und Kämpfer fällt Snake Eyes in L.A. einem Talent Scout auf. Aber er hat keine Lust auf Geschäft und kann nur mit der Aussicht geködert werden, den Mörder seines Vaters zu finden.

Seine erste Mutaufgabe wäre, ein unangenehmes Mitglied der Yakuzas, die ihn angeheuert haben, umzubringen. Es ist Tommy (Andrew Koji). Aber Snake Eyes verschont ihn. Ok, das ist schon eine etwas getürkte Sache. Aber Snake Eyes behauptet, er hätte Tom verschont, weil er gesehen habe, dass er ein Mann von Ehre und Aufrichtigkeit sei.

Der Begriff von Ehre und Aufrichtigkeit wird im Laufe des Filmes noch einiges aushalten müssen. Und es steht immer die Charakterfrage in Bezug auf den Protagonisten im Raum, wie weit er mit seiner Ehrhaftigkeit geht oder ob der Rachegedanke bei ihm alle Mittel heiligt, was dann doch eine Delle hinterlässt in dem an sich makellos heldenmännlichen Image des erstklassig gecasteten Henry Golding.

Die durch Verschonung initiierte Freundschaft zwischen Snake Eyes und Tom katapultiert den Film nach Japan zum Sitz des Clans von Tom. Hier kommt die Oma ins Spiel, die mit dem Lächeln bei ihrem ersten Staatsauftritt ein Mü zuviel über ihre Macht und Fähigkeiten verrät.

Jedenfalls soll Snake Eyes in den Clan aufgenommen werden, es gibt Tests zu bestehen und so landet er mitten in den Familienfehden, denn alle Figuren im Film, mit denen er bislang zu tun hatte, sind mit dem Clan verwandt oder verschwägert, wie es so schön heißt.

Egal, ob wir jetzt jede Intrige und jede Falle verstehen, jede Koalition, Schwentke haut mächtig auf die Action-Pauke und oft ist es wie bei John Woo, dass aus allen Ecken und Löchern ständig neue Kämpfer auftauchen, immer mehr als mathematisch überhaupt eruierbar ist. Im dichten, freudigen Action-Spaß steht Schwentke dem John Woo in nichts nach. Da die Titelfigur die Schlange im Namen hat, wird sie auch mit mächtigen Würgeschlangen zu kämpfen haben.

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