König der Raben

Schwärmerisches Porträt

eines bildhübschen jungen Mannes aus Mazedonien, Darko (Malik Blumenthal), der mit seiner Mutter Ramona (Danuta Stenka) illegal in Heidelberg lebt.

Darko ist das Hauptaugenmerk von Buch, Regie und Kamera, sein Oberkörper, seine Muskeln, sein Wuschelkopf, ein männlicher Mann, männlich durch Weichheit der Formen; erinnert an den Naturburschen bei Pasolini, Ninetto Davoli. Caravaggio hätte ihn nicht sinnlicher malen können.

Darko ist nicht ganz Naturbursche; er wird in dieser visuellen Bilderzählung von Piotr J. Lewandowski, der mit Denise Langenhan, Carsten Strauch, Finn-Ole Heinrich und Dan Oleteanu auch das Drehbuch geschrieben hat, in den Mittelpunkt gestellt. Er verführt die bildnerischen Gewerke wie Ausstattung, Licht, Kamera dazu, sich visueller Sinnlichkeit hinzugeben; nichts ist hart, nichts ist brutal in dem Sinne, dass es dem Auge weh tun würde; es gibt keine toten Flächen auf der Leinwand.

Darko hängt mit Yanhoosh (Karim Günes), der an Stöcken geht und etwas älter ist und mit Manolo (Mert Dincer), der jünger ist, zusammen. Malik ist ein Taubenzüchter und in diesem Zusammenhang erhält er den Titel König der Raben, denn kleine Raben zieht er auch auf. Das ist eine poetische Seitenlage. Aber auch eine Charakterisierung, denn auf dem Balkan wird die Taubenzucht hoch geschätzt.

Es gibt Milieuschilderung der Balkankreise in Heidelberg. Eine Hochzeit wird laut und bunt gefeiert. Malik wird von einem Paten doof angegangen und nicht abmachungsgemäß entschädigt. Das führt zu Rangeleien. Er landet im See, kann aber nicht schwimmen. Alina (Ante Traue) ist gerade mit einem Rucksack voller Steine in der Nähe zugange und rettet Malik vorm Ertrinken.

Der Film kümmert sich nicht darum, als Chronist oder protokollarisch diese Dinge zu erzählen. Der Film schwelgt lieber in den visuellen Möglichkeiten, die ihm so ein Anlass bietet. So entpuppt sich die Love-Story, die dann in manchen Momenten, wenn die beiden sich über dem Brunnen im Friedhof treffen, als arg süßlich glatte RomCom oder erliegt bei Bettszenen dem Rausch des Softpornos.

Eine nicht weiter ausgeführte Geschichte ist die, dass Yanoosh auch in Malik verliebt ist; aber zu viel Augenmerk legt die Geschichte nicht darauf.

Es gibt Szenen, da nähert sich der Film dem deutschen Themenfilm, was will einem visuell schon in einem Krankenhaus oder in einer Arztpraxis, wo das Thema Behandlung Illegaler aufkocht, viel einfallen. Da weicht der Bilderrausch der Nüchternheit.

Themen wie Leben, Liebe, Sterben, Angst werden angesprochen, auch die Angst vor der Abschiebung, gerade wenn in der Nachbarwohnung eine Polizeirazzia stattfindet.

In RomCom-Momenten mit dem sinnlichen Licht lächelt Malik gelegentlich sehr glatt und professionell.

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