Alternative Lebensweise
Das Getreide selber anbauen, ein paar Kühe, Schafe halten, als Jagdwaffe Pfeil und Bogen trainieren, das Wasser frisch aus dem Gebirgsbach, das Brot selber backen, die Teppiche selber weben, genügsam leben mit kleinem ökologischem Fußbadruck, das dürfte einer der pominentesten Klimschützerträume eines alternativen Lebens sein, kein Kühlschrank, keine Geschirrspülmaschine.
So leben die Protagonisten dieses Filmes von Minsu Park. Allerdings tun sie es nicht freiwillig und nicht aus ökologischer Überzeugung; sie sind da hinein geboren, in die karge Hochgebirgsgegend in Ladakh am Himalaya.
Der Bildungshunger und der Wunsch, hier wegzukommen, sind groß. Das Bildungsinstitut für die Tochter des Dorflehrers ist weit weg, über Monate nur durch einen mehrtägigen Fußmarsch entlang des reißenden, teils zugefrorenen Flusses Chaddr durch eine felsige Schlucht erreichbar.
Das zeigt, wie hoch der Preis ist, den für Bildung zu zahlen diese Menschen bereit sind. Das Lehrergehalt ist bescheiden, die Mutter erzielt mit den Teppichen ein Zubrot; da ist sie tagelang allein, wenn der Vater losmarschiert, um die Tochter weit unten im Tal abzuholen für ein paar Ferientage zuhause. In der Jahreszeit gibt es zu diesem Weg keine Alternative.
Aber es ist nicht primär ein zivilisationsphilosophischer Film; vor allem ist es ein atemberaubender Abenteuerfilm, denn durch den Klimwandel werden Schnee und Eis weniger, das Eis brüchiger, der Chaddr wird immer gefährlicher, kann teils nur mit halsbrecherischen Klettereien begangen werden.
Der Weg ist inzwischen so leinwandstark und aufregend, dass kleinere Informationsdefizite für den Zuschauer und manche vor Eis und Schnee gesetzte Untertitel, die schwer zu entziffern sind, zur quantité négligeable werden und das starke Kinoerlebnis nicht mindern können. Denn, eine Vater-Tochter-Geschichte ist es ja auch. Siehe auch stefes Review vom 5. Mai 2020