Wie mit dem Schneebesen
luftig, duftig leicht angerührt hat Regisseur Glendyn Ivin das Buch von Shaun Grant und Harry Cripps nach der Originalgeschichte von Cameron Bloom, also nach einer wahren Geschichte, einer Geschichte, die großartig ineinander verschränkt, wie Familie Bloom den furchtbaren Unfall der Mutter gleichzeitig mit dem Coming of Age des Icherzählers Noah bewältigt als die Angelegenheit einer Gruppe, einer Gemeinschaft.
Naomi Watts als Sam Bloom und Mutter ist die zentrale Figur. Sie ist eine sportlich attraktive Frau, verheiratet mit dem Fotografen Cameron (Andrew Lincoln) und gesegnet mit den drei entzückenden Buben Noah (Griffin Murray-Johnston), Rueben (Felix Cameron) und Oli (Abe Clifford-Barr).
Bei einem Urlaub in Thailand fällt die Mutter von einem brüchigen Geländer mehrere Meter in die Tiefe. Die Folge: Querschnittslähmung.
Der Film erzählt, wie die Familie damit umgeht, wie sich Schuldgefühle ausbreiten, wie die Mutter aggressiv sich gegen das Schicksal wehren will, wie vor allem Noah sich schuldig fühlt, da er die Idee mit der Turmbesteigung hatte. Es kommt die Großmuter hinzu, die auch nicht die veständnisvollste ist, die Schwester.
Auch wenn die Familie privilegiert in einem schönen Haus in einer hügeligen Villengegend über einer Bucht wohnt, die Probleme der neuen Situation können sich türmen, dazu die Missverständnisse, viel Langmut; dann auch die fast allergische Reaktion der Mutter, wenn das Thema überhaupt angesprochen wird, wie sie es nicht erträgt, nur schon gefragt zu werden, wie es ihr gehe. Mutter kann sich mit ihrer gelähmten Lage nur schwer abfinden, neigt zu destruktiven Aktionen.
Bald schon gesellt sich ein weiteres Problem zu der Familie: eine flugunfähige Elster. Sie nennen sie Pinguin wegen der schwarz-weißen Färbung. Der Film zeigt, dass solche Tiere hochintelligent sind; der Dreh mit Pinguin, der von einer ganzen Reihe von Vögeln dargestellt wurde, dürfte nicht leicht gewesen sein.
Aber statt das Leben der gehandicapten Familie zu erschweren, entwickelt sich Pinguin zum Katalysator. Der flugunfähige Vogel gewinnt das Interesse der Mutter, die selbst in der Beweglichkeit eingeschränkt ist. Das scheint zwar eine fette Symbolik – im ersten Moment. Dann aber entwickelt sich der Vogel zum untrennbaren Teil der Familie und trägt sein Teil dazu bei, die Lage zu meistern.
Mutter fährt plötzlich im Rollstuhl, sie musste ja auch lernen, sich helfen zu lassen, für eine selbstständige, selbstbewusste Frau, die plötzlich gelähmt ist, nicht unbedingt leicht. Die Familie rauft sich über den Vogel zusammen. Wie die Mutter sich überreden lässt, als Sport das Kajak-Fahren in Betracht zu ziehen und wie mit Gaye (Rchel House) noch eine taffe Sportlehererin dazu stößt, hat die Familie ihren Modus Vivendi mit der neuen Situation gefunden; und die allergrößte Hürde, das gestörte Vertrauensverhältnis zwischen Noah und der Mutter, kann auch wieder ins Lot kommen. Die Jungs vollführen wieder wilde Trampolinsprünge.
Der Film besticht durch eine ausgewogene Mischung an Dramatik und Feelgod, an Unterhaltung durch Elstern, immer wieder mit Ausblick aufs fantastische, australische Meer und durch eine großartige Naomi Watts als Sam; die dann tatsächlich noch Medaillensportlerin im Kajak wird.