City of Lies (VoD)

Über Konsequenz 

Wahrheit, Gerechtigkeit und Konsequenz haben engst miteinander zu tun. Der das bildlich eindrücklich verkörpert ist Johnny Depp als Detective Russell Poole beim LAPD, dem Los Angeles Police Department. Er fesselt von der ersten bis zur letzten Minute als ein Mann, dem die Wahrheit mehr bedeutet als alles andere, der fast wie ein ertrinkendes Wrack schon, noch daran glaubt, mit Konsequenz und Beharrlichkeit und nicht mit großtuerischem Auftreten, Mordfälle zu lösen, die Mörder zu überführen und der mit dieser Absicht bald die Tür eines Labyrinthes öffnet, dem Labyrinth der Korruption beim LAPD, der Polizei von Los Angeles, und den Gangs im Umfeld erfolgreicher Produzenten schwarzer Rap-Musik. 

20 Jahre nach den Morden an den Rappern The Notorious B.I.G und Shakur Tupac sitzt Detective Poole immer noch hinter den Puzzlesteinen der Nachforschungen. Vom Fall ist er längst suspendiert. Eines Tages erhält er Besuch vom Journalisten Daerius Jackson (Forest Whitacker). Es entwickelt sich ein gemeinsames Interesse an der Lösung der Fälle. 

Brad Furmann erzählt diese wahre Geschichte nach dem Fachbuch von Randall Sullivan, das von Christian Contreras zum Drehbuch umgearbeitet wurde, von der Begegnung der beiden Protagonisten ausgehend und mit Rückblenden als spannende Schnitzeljagd, als Weg der Konsequenz durch das Labyrinth, das die Korruption darstellt. 

Eine Begründung für die Hartnäckigkeit von Poole geht vom Befund aus: tötet ein Weißer einen Schwarzen, wer hat Schuld. Seine Antwort: weiter forschen, weiter Fragen stellen. Das sieht er als Credo der Mordkommission, der für einen Detektive erstrebenswertesten Position, weil am anspruchsvollsten. Gerade hier sollten unbedingt Gesetz und Wahrheit über alles andere gestellt werden, vor allem über Unterschiede in der Hautfarbe. Das ist in den USA nach wie vor nicht selbstverständlich. Aber auch bei uns erleben Schwarze überdurchschnittlich oft Polizeikontrollen, ist immer wieder zu hören; kein Grund also für Selbstgerechtigkeit.

Ein Film vor dem Hintergrund, der immer noch schwelenden und immer wieder ausbrechenden Gewalt von Polizei gegen Schwarze in Amerika. Zugrund liegen zwei Morde an bekannten Rappern in L.A., an The Notorious B.I.G und an Tupac Shakur in den späten 90ern in L.A. und in Las Vegas. 

Dieser Mord wird gleich zu Beginn nachgestellt aus der Sicht der schießenden FBI-Beamten. Als einer der ersten zivilen Ermittler taucht Russell Poole (Johnny Depp) am Tatort auf. Er macht mit Bedacht bestimmte Fotos. Er verschafft sich einen Überblick über die Gemengelage. Er wird später sagen, dass sich da für ihn die Tür zum Labyrinth geöffnet hat. Das wird er später auch in einem Straßenmodell und mit Spielzeugautos und mit Kollegen für den Mord an The Notorious B.I.G. tun.

Johnny Depp ist die eindrückliche Hauptfigur, ein Kommissar, der rein äußerlich mit dem Regenmantel eine Gemeinsamkeit hat mit dem berühmten Columbo, auf den in einem Nebensatz auch mal angespielt wird. Aber Depp ist anders, vielleicht verbohrter, gründelnder; er muss die Dinge im Kopf ordnen, die zusammengehen und die nicht. In den 90ern jedenfalls waren die Nachforschungen nach den Mördern ergebnislos.

20 Jahre später sitzt Poole immer noch an den Fällen. Er bekommt Besuch vom Journalisten Darius ‚Jack‘ Jackson (Forest Whitaker). Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Auch hier muss die Abstimmung der Geister, das gegenseitige Verständnis, das sich aus dem gemeinsamen Interesse an Gerechtigkeit und Aufklärung von Morden entwickelt, erst entstehen. Aber dann wird es umso schlagkräftiger. Schritt für Schritt arbeiten sich die beiden nochmal in die Materie ein, schauen sich Dokumentarmaterial aus Nachrichten und Überwachungskameras an, immer wieder versuchen sie, sich Dinge zusammenzureimen; gänze Wände sind mit Zetteln von Gedanken, Fotos, Skizzen dicht bestückt. Denn es wird sich herausstellen, es geht hier nicht um simple Morde: sie stoßen auf ein riesiges Korruptionswerk bei der Polizei von L.A.

Der Film ist allein schon wegen Johnny Depp sehenswert, weil er nicht eine Sekunde lang routiniert wirkt, weil er fast ein Ideal von wahrheitsbessenem Cop ganz ohne Mätzchen darstellt, der bis in die letzte Faser hinein von seiner Mission erfüllt ist. Das kommt durch das erstklassige Zusammenspiel mit Whitaker nur noch mehr zur Geltung. Und der Sound von Death Row Records und von Bad Boy Records schwappt selbstverständlich auch in den Film hinein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.