Kaiserschmarrndrama

Kultstatus verteidigt.

Dieser neue, achte oder neunte Eberhofer-Krimi, man verliert den Überblick vor lauter Erfolg, verteidigt erfolgreich seinen Kultstatus. 

Sebastian Bezzel ist unschlagbar als der depressive, ordnungspolitisch labile, niederbayerische Dorfpolizist Franz Eberhofer aus Niederkaltenkirchen. Und das ganze prall lebendige Panoptikum an knorrigen ländlichen Charakteren um ihn herum. 

Eberhofer gerät in neue, von ihm nicht erwünschte Konflikte und Herausforderungen. Er muss damit klar kommen, dass sein Busenfreund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) nach einem Autounfall der beiden auf offener Landstraße gelähmt in der Klinik liegt, dort aber psychisch auffällig wird, dass die Klinik ihn rausschmeißt. 

Wohin mit so einer Figur? Auf dem Hof der Eberhofers wäre Platz genug. Auf die Idee käme Eberhofer zuletzt. Aber es gibt doch die Oma (Enzi Fuchs), die von direkter Herzlichkeit ist. 

Dann ist da nach wie vor das zwiespältige Verhältnis zu seiner Frau/Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff). Die hat eine ganz andere Überraschung für Franz bereit: der Rohbau steht schon auf einer Wiese beim Hof. Da soll auch Franzens Bruder Leopold (Gerhard Wittmann) mit seiner entzückenden Familie einziehen. Horrorvorstellung über Horrorvorstellung für Franz. 

Nicht genug. Es gibt ja auch noch das Amt und gar einen Mord in Niederkaltenkirchen. Eine pikante Frau wird wenig bekleidet ermordet auf einem Fitnesspfad im Wald gefunden; das wird dem Pathologen Michael Ostrowski einen Glanzauftritt bescheren. Derweil bringt Papa Edenhofer (Eisi Gulp) sein Thema der Gentrifizierung eher schräg in den Film ein, aber gut sichtbar. 

Die Verwicklungen um den Mord, dem noch ein zweiter an derselben Stelle folgt, sind nicht primär spannend wegen der Frage Serienmord oder Trittbrettfahrermord, sondern wegen einem Rattenschwanz an wundervollen Schauspielerfiguren und -auftritten, die man alle einzeln und namentlich würdigen sollte (von Stephan Zinner über Daniel Christensen, Max Schmidt, Sigi Zimmerschied, Nora von Waldstätten, Thomas Kügel, Maria Hofstätter und und und bis hin zum Passauer Kultstar Barbara Dorsch) und die dieses Niederbayern-Panoptikum so reichhaltig, so lebensnah, so skurril, so widersprüchlich-authentisch, so kinofreudig machen. 

2 Gedanken zu „Kaiserschmarrndrama“

  1. Vielen Dank, Gnislew, für Ihr Feedback. Der pauschale Befund „ordentlich Schnitzer“ spielt vermutlich auf eine ausgebliebene Schlussredaktion des Textes an; wurde inzwischen nachgeholt, Tippfehler, Kommata. Wenn jemand aber gleich einen ganzen Blog wegen sowas schlecht machen will, so hört sich das so miesepetrig an; dabei verbindet uns doch bestimmt die Begeisterung fürs Kino.

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