Wir alle. Das Dorf

Hier ist mein Bett,

der das sagt, ist ein junger Mann mitten auf einer Wiese in der niedersächsischen Provinz im Jahre 2016. Das ist bei der Begehung und Absteckung eines Baugrundstückes durch eine Gruppe von Menschen, die sich das Ziel setzt, ein anderes Dorf zu bauen, ein Dorf mit bezahlbaren Häusern, ein Dorf, in dem Menschen eine Gemeinschaft bilden ohne Rückicht auf die Herkunft. Es soll ein Dorf werden, in dem Flüchtlinge integriert werden. Ein Ort der Gemeinschaft, solidarisch und interkulturell. 

Hier in Hitzacker soll eine Idee verwirklicht werden, die vor dem Hintergrund der Anti-Atomproteste in Wendland entwickelt worden ist. Idealisten sind es, wie sich bald zeigen wird. Und es soll ein Pflock eingeschlagen werden gegen das Zerbröseln der ländlichen Struktur. 

Der Film kann so als ein weiterer Film zum Thema Landretter gesehen werden.

Antonia Traulsen, die auch für das Buch zeichnet, hat mit Claire Roggan die Regie geführt in dieser emphatischen Begleitdokumentation der Entwicklungen dieses Dorfes, sporadisch und immer wieder waren sie vor Ort, haben festgehalten, was sich wieder getan hat. Immer auch Diskussionen, die Feststellung von Asymmetrien im Einsatz. 

Aus den punktuellen Momentaufnahmen geht hervor, dass der Idealismus schnell und immer wieder an seine Grenzen stößt. Dass die Gruppe vielleicht etwas idealistisch abgehoben nur das Dorf im Kopf hat und viel zu wenig seine eigene ländliche Umgebung, die bisherigen Bewohner und Industriebetriebe der Gemeinde Hitzacker. Das kann zwar den Fortschritt der Entwicklung nicht abhalten, führt aber zu erheblichen Verzögerungen. 

Bis Juni 2020 waren die beiden Dokumentaristinnen immer wieder vor Ort, haben auch Abstecher nach Berlin gemacht, woher manche Bewohner kommen, die sich Berlin schlicht nicht mehr leisten können. 

Die Idee des Dorfes ist auch, so einfach wie möglich zu bauen, und so, dass vieles selbst gemacht werden kann. Man sieht die Leute bei Holzarbeiten, beim Mauern, beim Malen. Themen wie Kanalisation, Wasser- und Stromanschluss, vor allem Internetanschluss werden nur peripher oder gar nicht behandelt. 

Gutes Gedeihen zwischen Gemeinde und den neuen Dorfbewohnern, die nach und nach einziehen, signalisert der Spruch der Gemeindepräsidenten bei einem Richtfest: dass Hitzacker so frei Haus sozialen Wohnungsbau geliefert bekomme. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. 

Aber bei der Integration von Flüchtlingen, da bleiben am Ende des Filmes viele Fragen offen und auch die Pastorin, die mit ihrer Lebensgefährtin in eines der Häuser einzieht, reflektiert selbstkritisch, dass man sich anfangs viel zu wenig für die kulturellen Vorstellungen der Flüchtlinge interessiert habe; diese hätten zwar bei der Vorstellung der Baupläne höflich und wohl völlig überfordert genickt, aber die Überraschung kam mit den fertigen Häusern. 

Zwischenerkenntnis eins der Dorfaktivisten bei einer Versammlung: ein Dorf zu bauen ist ganz einfach – wenn man es allein machen würde. 

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