Orphea

Eurydike remixed

Hier setzt Alexander Kluge die Zusammenarbeit mit dem philippinischen Regisseur Khaven aus Happy Lamento nahtlos fort und der Asiate liefert zuverlässig die bei uns beliebten Unterweltbilder aus Manila. 

Um Unterwelt, Hades, Styx und um die Hierwelt und allenfalls das Liebesglück in ihr geht es im klassischen Orpheus- und Eurydike-Mythos und dass nur Musik es schaffe, das Liebste was einer hat, aus der Hölle herauszuholen. Grad kürzlich hat der BR-Klassik einen Orfeo gesendet.

Das ist ein Thema, was sich seit Jahrtausenden durch unsere Kulturgeschichte zieht, auf der griechischen Mythologie basierend. Also findet sich in den Kultur- und Medienarchiven zuhauf Material zur Illustrierung oder auch jede Menge Material aus Politik und Wissenschaft zu illustrierenden Assoziierung. Vielfältige Kulturmontage. 

Hinzu kommen neu gedrehte Szenen mit Lilith Stangenberg, am liebsten vor Green Screen mit den entsprechenden Drumherum-Bildzitier- und Einschubmöglichkeiten. Sie singt auch in den verschiedensten Sprachen oder „schreit“ gar zur Zither nach Dichtern. 

In die schnelle Montage in einer Bandbreite von anstrengend bis inspirierend sind immer wieder groß und einfach geschriebene, didaktisch gut leserliche Buchstabentexte eingewirkt. Dabei kann es sich um ein Lamento für eine tote Schlange handeln, um Begriffe rund um Lethe, Cerberus in Love hat einen Auftritt (eine Zeichnung) oder Szenen aus Bordellen in russisch Manila und Wehrmacht und Zweiter Weltkrieg (gegen die Kultur die Unkultur zu setzen, gibt der ersteren mehr Gewicht; ein filmkulturell beliebter Gegensatz) dürfen genau so wenig fehlen wie eine Formel zur Bergung der Rippe Evas oder Orphea als Biokosmistin oder die Läusekönigin. 

Eine Berserker-Methode des kulturellen Remixes, eine Kulturassoziationsmethode, essayistisch und immer hochmusikalisch mit genügend Gesang und Nackttanz dazu. 

Hier werden kulturelle Bits and Bites wie in einem Turbo neu montiert zu einem geschmackvollen Potpourrifilm aufgefädelt am Eurydike-Mythos mit dem letzten Schrei eines Tanzes auf High-Heels auf einem Handyhaufen. Tja, da könnte man glatt Ameisenhaut kriegen. 

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