Glück

Bastard und Krimineller in das Frausein verbannt

das scheint einer der zentralen Gedanken aus dem Text „Esilio Exile“ von 2019 von Adam Hoya, im Film als Nutte Maria zu sehen. 

Maria ist weiblich, blaß, erotisch, sinnlich, wirkt verträumt, empfänglich für die Liebe. Maria hat ein Geheimnis, das sich erst spät im Film überraschend lösen wird. 

Maria trifft im Puff in Deutschland auf Sascha (Katharina Behrens), die mehr eine mütterliche Frau ist im Sinne, die Umgebung im Auge habend, potentiell herrschend, angespannt im Gesicht und die sich sofort in die Neue im Bordell verliebt. 

Etwa eine halbe Stunde lang schleicht sich diese Liebe bis zum ersten Kuss. Dann gibt es Momente des Glücks, vielleicht nicht allzu glücklich fotografiert, es kommt zu Unstimmigkeiten, wie es oft ist bei einer Liebe. 

Henrika Kull erzählt das in ihrem Film in der fahrig-dokuhaften Nahverfolgerart über Alltagssituationen, wie Gänge der Protagonistinnen durch U-Bahn-Stationen, Fahrten in U-Bahn und Taxi, Warten im Bordell, sich bereit machen, die Darstellerinnen zu Hause und bei der Arbeit. 

Klar ist, dass Henrika Kull sich für das Thema lesbische Liebe interessiert; weniger klar ist, warum sie sich dieses Konstrukt zwischen käuflicher Liebe im Hetero-Bereich und privater Verliebtheit, Liebe und Besitzanspruch im privaten Bereich ausgesucht hat. Die Unterschiede verschwimmen. 

Kürzlich hat sich Francois Ozon des Themas schwuler Liebe angenommen; er hatte einen autobiographischen Roman zur Vorlage. Ozon hat daraus einen brillanten Film gemacht: Sommer 85. Da liegen Höhepunkt und höchste Gefühle dicht beim Absturz, eine dramtische Gewaltsleistung, während sich bei Henrika Kull die Dinge in lauter Alltäglichkeit, die nicht unbedingt immer berichtenswert ist, leicht verläppern. 

So bleibt hier auch unentschieden, wie weit es ein Spiel mit der leicht verklemment Bürgerlichkeit und dem pikanten Thema der käuflichen Liebe ist. Dazu gab es kürzlich eine vermeintliche Fernsehdokumentation, die viel Geschreibsel in den Gazetten ausgelöst hat, weil jene Regisseurin sich erlaubt habe, die inszenierte Fiktion als Doku auszugeben. Über diesen Etikettenschwindel ist viel geschrieben worden. Über den Film selbst ist mir nicht aufgefallen, dass der beschreibenswert gewesen wäre. Hier im vorliegenden Film beschäftigt mich auch mehr die Frage, was wollte Henrika Kull?

Eine mögliche Antwort: Vielleicht möchte der Film zwei Fliegen mit einer Klappe fangen: einmal den bürgerlichen Kitzel an der käuflichen Liebe auskosten und gleichzeitig die Lust, den Voyeurismus auf private, persönliche lesbische Liebe ausreizen.

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