Gaza mon Amour

Gaza 

ist ein wie in großes Gefängnis, in welchem auf engstem Raum zwei Millionen Palästinenser leben und dessen Zugang streng vor allem von israelischer Seite her kontrolliert wird. Aus dem Gebiet gibt es nur wenige Filme, die es bis zu uns ins Kino schaffen, beispielsweise: Gaza Surf Club, Das Schwein von Gaza, Namrud Troublemaker, Ein Lied für Nour, 90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden, Cinema Jenin.

Jetzt berichten die talentierten Brüder Arab und Tarzan Nasser unter vielfältiger Hilfe aus Frankreich, Deutschland und Portugal aus der beengten Schuhschachtel und wollen vor allem vermeiden, aus dem Film eine Anklage gegen Israel zu machen, um nicht simpel in der Spirale der Gewalt mitzutun. 

So sind denn in ihrem Film keine Ruinen von Häusern aus den häufigen israelischen Bombardements zu sehen. Die Filmemacher sehen die erbärmlichen Zustände eher im Sinne eines Spitzweg, so wie er den armen Poeten gezeichnet hat: es ist Romantik und Menschlichkeit im Bild, Würde vor allem; sie zeichnen Menschen, die in aller Beengtheit ihre Würde nicht verlieren; das ist wohl das Entscheidende.

Und sie tun das um eine wunderbare Geschichte herum, in der die Menschen stoisch mit den technischen Unzulänglichkeiten ihrer Lebensbewältigung umgehen, dass kaum Kunden in die Schneiderei von Issa (Salim Dau) kommen, dass Siham (Hiam Abbass) mit seinem Fischkutter nur einen 5 Kilometer breiten Streifen vor der Küste befahren darf, dass oft der Strom ausfällt, dass plötzlich der Bus nicht fährt. 

Vielmehr lenken die Filmbrüder den Fokus auf das, was zwischen diesen beiden älteren Herrschaften passiert, passieren könnte: Liebe. Siham hat keine Kinder, hat nie geheiratet, ist inzwischen stolz auf sein Leben als Single, fühlt sich als „Malik“, als König. Trotzdem hat er feuchte Träume. Und er hat ein Auge auf Issa geworfen. Die lebt mit ihrer erwachsenen Tochter zusammen, einer Studentin von eher lockeren Sitten. 

Siham verkauft seine Fische in der Nähe des Ladens von Issa. Aber Siham hat Hemmungen, überwindet diese erst, nachdem seine Schwester Druck macht und mit einem halben Dutzend gut in die Jahre gekommener, heiratswilliger Frauen die Aufwartung macht. 

So eine Liebesgeschichte wäre vielleicht etwas wenig für einen abendfüllenden Film. Deshalb lassen die Gebrüder Nasser ihren Protagonisten im Fischernetz eine Appollo-Statue fangen. Wohin damit. Sahim schmuggelt sie an der Grenzkontrolle vorbei. Er versteckt sie zuhause. Er vermutet, dass sie viel wert ist. Peinlich aber auch, dass sie einen erigierten Penis hat. 

Diese Geschichte und wie die Palästinenser damit umgehen, besonders die Behörden, wirft Schlaglichter auf die politische Situation in Gaza; konsequent im Miniaturstil erzählt, konsequent mit diesen Nahaufnahmen, die in der Enge fast als einziges möglich sind, jedes Bild eine Miniatur, jedes Bild erzählt von der Liebe der Filmemacher zu ihrer kujonierten Heimat und deren fabelhaften Menschen. Im Fernsehen laufen palästinensische Telenovelas als Gegensatz zur Poesie der Armut im Film. 

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