Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen

Emilia Schüle und der deutsche Themenfilm

Dies ist ein deutscher Themenfilm von Nadine Heinze und Marc Dietschreit. 

Es geht um Pflegekräfte aus dem Osten. Emilia Schüle ist als Marija aus der Ukraine wie ein Star vom Kinoplaneten zum gremienkonformen erstklassigen Ensemble gestoßen. Sie kann empfindsam sein, verletzlich, schüchtern, verlegen, mitfühlend, respektvoll, dienstbeflissen, sich zurücknehmen. Vor allem: sie kann perzipieren. Sie spielt mit einer Hingabe ohne Wenn und Aber und erhebt damit den Film über das TV hinaus. 

Emilia Schüle wird dabei unterstützt von ihrem Pflegling Curt, Günther Maria Halmer, der ganz ohne flachsende Anbiederei den Ernst der Demenz spielt, diese Suche nach den Worten, nach der entgangenen Realität. Das kommt schauspielerischer Größe schon ganz nahe (wer allerdings Anthony Hopkins in „Der Vater“ gesehen hat, der wird das Kompliment wohl gleich wieder kassieren – zu krass zeigen sich da am selben Thema die Unterschiede; hier der deutsche Schauspieler, der brav nach Buch Demenz spielt und dort der Weltstar, der mit Demenz die Leinwand wie ein Orkan durcheinanderfegt). 

Die familiäre Situation in dem Bungalow ist kaputt. Curts Tochter Heidrun (Heide Beck) hat ihn unter ihrer strengen, humorlosen Kontrolle, sie organisiert die Pflegerinnen aus dem Osten. Da sich Marija vom Sturkopf nicht beeinflussen lässt, ja nach und nach dessen Sympathie gewinnt, keimen in Heidrun Neid und Missgunst auf; am liebsten möchte sie die Pflegerin wieder loswerden, die auch auf Defizite in der Behandlung des zuckerkranken Mannes hinweist. 

Etwas merkwürdig wird die Geschichte von ihrem Autounfall erzählt. Das geht über den Sohn Philipp (Fabian Hinrichs). Der taucht nach einem Anruf von Marija unvermittelt auf und verhält sich so, als hätte er als Rollenabsicht einzig und allein, die Pflegerin, die in der Ukraine einen Sohn hat, anzumachen, direkt und unmissverständlich anzubaggern. 

Diese Geschichte zwischen Philipp und Marija will sich nicht so recht einfügen in die Story, wirkt herbeigezwungen, herbeigewürgt, erfunden. Hinrichs erledigt seinen weisungsgebundenen Job ordentlich und mit seinem Spitzbubencharme; das hilft aber dem Film nichts. 

Die Dialoge zwischen Marija und Philipp wirken eher wie öder TV-Realismus; genau so wie die Info über den Unfall von Heidrun. Philipps Anmach-, Anbaggergeschichte wirkt aus den Fingern gesaugt, billig. Das Vater-Sohn-Verhältnis scheint überhaupt nicht bedacht, wird nicht plausibel mitgespielt, lediglich bei einem Ausbruch erklärt der Sohn dem Zuschauer, was für ein Arschloch, was für ein Karrierist der Vater gewesen sei; davon ist allerdings auch in der Darstellung von Günther-Maria-Halmer nichts zu spüren; den Dattergreis, der alles hinter sich gelassen hat, den spielt er aber auch nicht. 

Die Leichtigkeit, die ab und an die Musik suggeriert, will sich bei der eindimensionalen Schwere des TV-Realismus von Drehbuch und Inszenierung trotz schön klarer Kamera nicht einstellen. 

Die Story selbst artet in eine Kriminal-Groteske mit einer Prise Kitsch aus. Aber auch hier werden Chancen und Möglichkeiten des Kinos vertan, dominiert die TV-Oberflächlichkeit. 

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