Kommentar zu den Reviews vom 15. Juli 2021

Es rumort beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Nach einer Anzahl von Autoren haben sich jetzt auch Regisseure über die Arbeitsbedingungen und die Eingriffe in die künstlerischen Rechte und Freiheiten beschwert und inzwischen auch noch Journalisten über den Umbau von Sendeplätzen. Das wundert nicht angesichts des Sparzwanges der Anstalten. Es sind dies Reaktionen in einer komplexen und komplizierten Gemengelage. Die hängt auch mit der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes über die Haushaltszwangsgebühr zusammen, einer Finanzierung zu Lasten einkommensschwacher Haushalte und ein Umverteilungsfaktor; denn die Reichen entziehen sich im Vergleich zu ihrer Finanzkraft praktisch einer Beteiligung an der Finanzierung des 9-Milliarden-Gemeinschaftswerkes öffentlich rechtlicher Rundfunk. Dies wiederum ist einer unter anderen Punkten für das schlechte Ansehen dieser urdemokratisch gedachten Institution. Das schlechte Ansehen wiederum macht es der Politik schwer, Zwangsgebührenerhöhungen durchzusetzen. Der letzte Versuch ist vorerst gescheitert, weil bereits ein Bundesland sich der Zustimmung zur Erhöhung verweigerte. Zum schlechten Ansehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes trägt weiter bei, dass die Kostenstruktur der Anstalten so beschaffen ist, das selbst bei einer Zwangsgebührenerhöhung die Sender noch mehr sparen müssen, also noch mehr Wiederholungen senden bei gleichzeitiger Kostensenkung in der Produktion, zum Beispiel weniger Drehtage für gleich viel Sendezeit. Das wiederum führt zu immer mehr Frust bei den Kreativen. Den letzten beißen die Hunde. 

So dreht sich die Kosten- und Frustspirale weiter, denn einerseits gibt’s die Tarifvorgaben und chronischen Lohn-Erhöhungen innerhalb der Rundfunkanstalten, hinzu kommen gigantische Pensionslasten aus fahrlässigen Versprechungen. Die Probleme türmen sich; nichts wird sich in nächster Zeit beruhigen. Das Thema könnte bei manchen sogar die Wahlentscheidung beeinflussen. 

Höchste Zeit also, das Modell öffentlich-rechtlicher Rundfunk, seine Grundaufgaben, seine Finanzierung gründlich zu diskutieren; allenfalls die Auslagerung der Pensionskosten sowie die Auslagerung sämtlicher Sendungen, die nicht dem demokratischen Grundauftrag dienen. Sonderbarerweise streicht der Rundfunk immer mehr kulturelle Sendungen, verschiebt sie in die „Todeszone“ – und entfernt sich damit immer mehr von seinem Grundauftrag. Zu schweigen vom verheerenden Einfluss auf das Kino, das ohne Koproduktion mit öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten kaum finanzierbar ist; welche einen vereinheitlichenden Einfluss und Bevormundung ausüben.

Die Zeit zu dieser Grundsatzdiskussion drängt, denn je mehr sich die Lage zuspitzt, desto vernehmlicher werden die Stimmen, die eine gänzliche Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks fordern und desto mehr geben die Verteidiger dieser urdemokratisch gedachten Institution die Diskussionshoheit aus der Hand.

Nichtsdestotrotz: auf geht’s ins Kino, es ist spannend und vielfältig!

SEHNSUCHT NACH EINER UNBEKANNTEN HEIMAT

Drohnen über Transsylvanien!

PATRICK

Idyllisch portugiesische Landlocation zur Einbettung für wenig erfreuliche Dinge mit Kindern.

NEBENAN

wacht der aufmerksame Nachbar. 

FAST & FURIOUS 9

Da könnte man echt auf den Gedanken kommen, die seien unverwundbar und ungewönlich. 

IM FEUER – ZWEI SCHWESTERN

Das deutsche Kino zwischen Kriegs- und Subventionsfront. 

MINARI – WO WIR WURZELN SCHLAGEN

Die Oma aus Korea ist stärker als der amerikanische Traum.

ERDMÄNNCHEN UND MONDRAKETE

Südafrikanisches Coming-of-Age unter Familienfluchbedingungen. 

SPACE JAM 2 – A NEW LEGACY

In den Eingeweiden von Warner Bros herrscht die künstliche Intelligenz – nicht zum Vorteil der Firma.

HEIMAT NATUR

Große Umwälzungen finden in ihr statt – und der Mensch ist nicht unbeteiligt daran.

HUNTED

In Belgien geht’s im Crude-Genre krud zu.

MORGEN GEHÖRT UNS

Dank Corona ist auch dieser Hoffnungsstreifen deutlich gealtert. 

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