Im Feuer – Zwei Schwestern

Revival des deutschen Kriegsfilmes

Nach Soldaten ist das innert kurzer Zeit der zweite Film, dieses Mal fiktional, der in der Bundeswehr spielt. Das spiegelt zum einen die neue deutsche Realität wieder, die an vielfältigen Krisenherden der Welt mitspielt und nach der herrschenden Politik robust werden soll, als die Soldaten das präventive Töten wieder lernen sollen, was man hierzulande nach Hitler eigentlich nie wieder tun wollte.

Die Einsätze bleiben problematisch. Deutschland wollte nie wieder Krieg führen. Und Afghanistan hat Deutschland genau so wenig angegriffen wie Mali, Kurdistan oder der Irak. 

Filmen, die im Inneren dieser Bundeswehr spielen und die diese nicht verarschen, haftet insofern immer etwas Kriegspropagandistisches an. Auch der Film von Daphne Charizani will oder soll dem Zuschauer diese neue Kriegsrealität vertraut machen. Und das macht der Film nicht mal so ungeschickt. Er lenkt ab mit einer Familiengeschichte, einer Schwesterngeschichte. 

Die Hauptfigur Rodja Xani (Almila Bagriacik) ist Soldatin bei der Bundeswehr. Sie stammt aus Kurdistan, lebt in Köln. Ihre Mutter (Maryam Boubani, mit selten reinem Antlitz) ist nachgekommen. Aber die Schwester von Rodja, Dilan (Gonca de Haas), ist im Irak geblieben, lässt nichts von sich hören. Das beunruhigt Rodja, sie will ihr nachspüren, will sie finden. 

Das ist eine urmenschliche Geschichte, mit der Tendenz zur Rührgeschichte. Hier fehlt es allerdings an Information, warum Rodja ihrer Schwester so verbunden ist. Wie überhaupt Daphne Charizani sich mit Administrativ-Infos eher zuviel zurückhält, vielleicht um den Fallen des vielgeförderten deutschen Themen- und Erklärfilmes zu entgehen; was auch gelingt, allerdings auf Kosten von Klarheit und Verbindlichkeit der Geschichte. 

Der Geschwistergeschichte zuliebe handelt die Bundeswehr recht fahrlässig, erstens, wie leicht die Soldatin in den Irak versetzt wird und zweitens, wie leichtsinnig offenbar der Feldwebel seine Soldaten der Soldatin zuliebe in freier Gegend übernachten lässt und wie es zu einem etwas unklaren Angriff kommt, sind die Soldaten wohl abgehauen, auf der Gefechtsszene sieht man sie nicht.

Ob sich das deutsche Kino mit diesem neuen Kriegsfilmgenre aus den Fesseln des Subventionskinos (auch hier sind wieder jede Menge Förderer an Bord) befreit, kann noch nicht eindeutig beurteilt werden. Es gibt Können in den Gewerken, ein Highlight ist das kurze Bild von Berivan (Zübeyde Bulut), wie sie den Brief vorgelesen hat, ist sie ein Moment fast wie Mona Lisa herausgestellt. Der Film erinnert in zwei Punkten auch an The other Side of the River: auch hier ist es eine junge Kurdin, die sich über die Polizeiausbildung politisch einbringen will. Wobei Rodjas Intention rein privatistisch bleibt. 

Immerhin, der Film versucht, sich der deutsch-kurdischen Realität zu stellen und erzählt recht zügig; kommt auch intentional weg vom bisherigen Genre des Integrationsfilmes, der meist billig auf dem Culture-Clash-Sattel reitet. Er versucht erfolgreich auf den Bedröppelungsimpetus zu verzichten (resp. ihn ganz auf die Schwester-Begegnung zusammenzuziehen) und empanzipiert sich so doch deutlich von Gewohntem. 

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