Fast & Furious 9

Archaischer Konflikt 

Die Brüder Dominic (Vin Diesel) und Jakob (John Cena) Toretto sind die Söhne eines berühmten Autorennfahrers, der bei einer einführenden Rückblendenszene bei einem Rennen 1989 ums Leben kommt. 

Nicht nur dieser Tod, bei dem etwas am Auto des Vaters manipuliert worden sein soll, lastet zwischen den beiden Brüdern, es ist die archaische Grundsituation, dass der jüngere Jakob sich immer im Schatten des älteren Dominic fühlt. 

Der Konflikt steigert sich nach dem Tod des Vater so weit, dass sie per Rennen entscheiden, welcher von beiden auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden hat. Sie verlieren sich aus den Augen bis in die Heutezeit, in der Mr. Nobody mal wieder die Weltherrschaft erlangen will. Eines seiner Spionageflugzeuge stürzt in einer malerischen Berg-Meer-Dschungel-Kluft-Gegend ab. 

Die Fast & Furious werden zum neunten Mal reaktiviert; es gibt ein Symbol auf einer Postkarte, das Dominic seine Zweifel überwinden lässt. Dann geht es erst mal verfolgungsjagdmäßig hart zur Sache in der wildromantischeb Gegend, nebst Sprüchen gibt es vor allem waghalsige Stunts; hierbei verblüfft immer wieder, wie das Team in völlig unbekannten Gegenden prima navigiert, auch immer rechtzeitig die Verfolger aktiviert, um sich die wildesten Auseinandersetzungen und Feuergefechte zu liefern. 

Wobei die Akteure immer ungeschoren davonkommen, nicht mal Blessuren tragen sie davon, gerade mal eine durchlöcherte Jacke, obwohl der Verfolgte schutzlos durch den Kugelhagel wie ein Hase zwischen den Kugeln hindurchrennt. Das wird später Gesprächsthema, worüber sich die Helden selber wundern, wie sie die extremsten Gefahrensituationen unbeschadet überstehen, das lässt sie gar mutmaßen, sie seien ungewöhnlich. 

Dabei ist das Faszinierende an diesem Team seine unübersehbare Gewöhnlichkeit, speziell, wenn sie zu Hause bei ihren Liebsten sind, spießiger geht’s nicht, das ist vielleicht ein Teil des Erfolges des Fast & Furious Modells. 

Auch diese Unbesorgtheit, mit der sie sich immer wieder in unbekannte Situationen begeben, ob sie eine selbstgebastelte Raket, die mehr einem Auto-Oldtimer gleicht basteln, um damit Huckepack an einem großen Flugzeug in den Orbit befördert zu werden, oder ob sie in hochkomplexe und hochgeschützte Räume eindringen oder im kugelsicheren Jeep über eine Hängebrücke, die eher nur für Fußgänger gedacht ist, rasen. 

Hinzu kommen die verschiedenen Spielorte, bei denen bestimmt jeweils etwas Filmförderung abfällt, ganz so charmant wie einsten beim James Bond kommt das allerdings nicht mehr daher; das wirkt inzwischen routiniert filmgeschäftstüchtig. 

Auch scheint das Drehbuch, das Regisseur Justin Lin mit Daniel Casey nach den Charakteren von Gary Scott Thompson geschrieben hat, sich zu sehr zu verästeln, scheint sich vom Stoff und vom Prinzip der inkludierten Verfolgungsjagden und kühnen Kämpfereien nicht trennen zu können, wodurch sich die Story dann doch etwas zieht. 

Andererseits fällt ihnen immer wieder was ein, was sie glauben auch noch einbauen zu müssen, die Tricks mit den Magneten, die Autos anziehen und einer frühen Verschrottung preisgeben, die Hängebrücke, die nur noch ein Seil ist, das Auto, das mit Raketenantrieb Huckepack ins All befördert wird, die Frau, die noch nie ein Auto gefahren ist, und plötzlich mit einem schweren Lieferwagen Verfolgungsrennen in der Stadt fahren muss. Vin Diesel pflegt bei alle dem den stoischen Blick. 

Ein weiteres Geheimnis des Erfolges dieser Reihe dürfte die typologische Zusammenstellung der Figuren sein; man könnte sich vorstellen, dass ein Marktforschungsinstitut dahinter steckt, was nach Prototypen der Gewöhnlichkeit gesucht hat. 

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